Das kleine Missverständnis
Da ist es also, das trojanische Pferd. Herein -gerollt durch Bühnennebel, riesig, hölzern. Auf den letzten paar Metern gelingt ihm, was das Stück zuvor kaum fertigbrachte: die Weite des Bockenheimer Depots zu füllen, und sei es auch nur physisch. Bespielt wird die übergroße Pointe im Übrigen nicht, aber was soll’s: Hier zeigen die Gewerke, hier zeigt das Theater mal wieder, was es kann. Ein bisschen wie die ganze Inszenierung «Der große Kunstraub», geschrieben und auf die Bühne gebracht von Regisseur Alexander Eisenach, nur darauf abzuzielen scheint, zu zeigen, was sie kann.
Ach, was er kann!
Alexander Eisenach ist eine Copycat. Die Orientierung an Frank Castorf und René Pollesch ist seinen Stücken deutlich anzusehen, seitdem er 2014 im Schauspiel Frankfurt sein Debüt «Das Leben des Joyless Pleasure» auf die Bühne brachte. Er remixt Kunstdiskurs und Kulturwissenschaft, Theater und Video, Slapstick und smart klingenden, zitatreichen Schnellsprech. Dieser künstlerische Zugriff hat sich seit den Anfängen kaum verändert, und worum es dabei geht, ist ein bisschen wurscht. «Der große Kunstraub» will die Coolness und die Abgebrühtheit eines Heist-Movies ins Theater holen, dabei aber auch ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Esther Boldt
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