Das innere Kind
Man blickt in das Innere eines schwarzen Müllsacks. Dichte, durchhängende Planen kleiden den Bühnenraum des Gorki aus. Im Sack liegen zwei stilisierte Scheißhaufen, die aussehen, als stammten sie aus einem 3D-Drucker. Fünf androgyne Wesen stolpern etwas unbeholfen hinein. Sie tragen weiß, schwarz, lila, kantige Schulterpolster. In ihren Raumfahrt-Anzügen sehen sie spacig aus. Und nach kleinem Vampir. Ihre Haare sind zurückgegelt, die Gesichter blass geschminkt. Eine der Frauen ist Fritzi Ernst.
Sie war Teil von Schnipo Schranke, einer ehemaligen Frauenband aus Hamburg, die sich für das musikalische Slackertum entschieden hatte.
Ernst tritt ans Keyboard. Die Songs des Abends bestehen aus simplen, fast schon nervtötend eingängigen Melodien, dazu Lines, die eins zu eins das wiedergeben, was das sogenannte innere Kind vor sich herplappert, wenn man ihm richtig zuhören würde: «Ja, ich pfeif auf deine Regeln / Denn du schaust auf mich herab / Wenn ich auf die Schnauze segel / Kommen Freundis, die ich hab / Können über alles reden / Und die weinen an meinem Grab / Ich kann nicht mehr damit leben / So zu machen, wie du sagst.»
Das mag auf viele erstmal infantil wirken, aber es ist auch ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Fastabend
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