Vergnügen ist Arbeit

Unspielbare Stücke in Leipzig und Berlin: Claudia Bauer erfindet Shakespeares «Antonius und Kleopatra» neu, Fabian Hinrichs macht mit Byrons «Sardanapal» Erfahrungen an der Rewe-Kasse

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Wenn das Telefon klingelt, ist der Spaß vorbei. Dann ist Rom in der Leitung, die Pflicht ruft. Immerhin leben Antonius und Kleopatra noch im Zeitalter der Wählscheibenapparate mit Kringelschnur, die Erreichbarkeit bleibt also überschaubar. Sonst würde Shakespeares Plot auch in sich zusammenbrechen, der zwischen Äypten und Rom zwei Welt- und Menschenbilder aufspannt: Vergnügen gegen Effizienz, Hedonismus gegen Verwaltungsmacht, Verschwendung gegen Vernunft.

Shakespeares «Antonius und Kleopatra» ist von allen Spielplänen schon lange so gut wie verschwunden, und das hat gute Gründe. Sein Märchen-Ägypten ist ein kolonialer Traum, Eroberungskriege sind allgemein akzeptierter Alltag, sein Kleopatra-Frauenbild eine aufgeblasene Männerfantasie, Gewalt eine allgemein akzeptierte Umgangsform, Rassismus an der Tagesordnung. Alles schwer vermittelbar in einem öffentlichen Theater unter kritischer Medienbeobachtung. Das Stück ist eine einzige Falltür in alle Höllen des Missbrauchs.

Dagegen hat Regisseurin Claudia Bauer gleich mehrere gestaffelte Verteidigungslinien gezogen: Einen Disclaimer als Untertitel, «eine Shakespeare-Installation im Kolonialstil»; eine radikale Strichfassung, die fast ...

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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

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