Das Große-Jungs-Spiel
Im deutschen Wirtschaftsmusterländle, lange belächelt, weil es immer noch auf Produktion statt auf die angeblich unerschöpflichen Renditemöglichkeiten des Finanztransfers setzte, kann man sich befriedigt die Hände reiben: Wir sind noch mal davongekommen. Die weltweite Finanzkrise wurde hierzulande offiziell für beendet erklärt: niedrigste Arbeitslosenquote seit 1992, Wachstumsraten von über drei Prozent, das darf man fast schon wieder Boom nennen.
Nur – ein bisschen langweilig ist diese Solidität ja schon.
Denn riesige Blasen und milliardenschwere Erfolgsstories schaffen immerhin eine Fallhöhe, aus der es sehr, sehr tief hinabgeht. Die überschießenderen Charaktere und Geschichten muss man sich hierzulande im Kino zu Gemüte führen. Oder im Theater. Und immer mit dem kleinen Grusel im Nacken, dass das relative Ungeschorensein sich im global vernetzten Kapitalismus auch schnell als süßer Irrtum herausstellen könnte. Also gucken wir sie uns an, die Lehrbeispiele aus den mächtig gebeutelten USA und Großbritannien, um das es nicht viel besser steht.
Kapitalismus-Kino und -Theater
Zum Beispiel David Finchers Harvard-Film «The Social Network», die Charakterstudie eines neuen Typs ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 33
von Barbara Burckhardt
Katastrophen aller Art durchwehen das Londoner Theater diesen Herbst und Winter: Erdbeben in der Hauptstadt, Bombenanschläge in Indonesien, politische Radikalisierung in Afghanistan und ein demoralisierter Weihnachtsmann. Dafür entdeckt Salisbury – unerwartetes Geschenk unterm Baum – in Philip Massinger einen Sohn der Stadt und Shakespeare-Zeitgenossen neu. Also...
Wenn die Nächte immer noch lang sind, verlässt man sich im Theater gerne aufs Vertraute. Der Kanon lädt ein, z.B. mit Tschechow, in dessen «Kirschgarten» sich in Köln Karin Henkel begibt, dessen «Möwe» in Dresden Burkhard C. Kosminski fliegen lässt und dessen «Drei Schwestern» in Oberhausen Peter Carp versorgt.
Gern gesehen auch Gerhart Hauptmann, in Berlin etwa,...
Die Jahre 2006 bis 2008 in Berlin-Heinersdorf (hinter Pankow) müssen sehr bewegend gewesen sein. Die Gegend ist traditionell unspektakuläres, halbzersiedeltes nord-östliches Großstadt-Umland, Mischgewerbe und Wohnhäuser. Ausgerechnet hier, mitten im schon wieder recht provinziellen Irgendwo, wollte die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde ihre neue Moschee bauen und hat...
