Das geheime Geschäftsmodell

Welche Rolle spielt die Technologie für die Kunst? Tobi Müllers Medienkulturgeschichte des Pop «Play Pause Repeat» zeichnet ein differenziertes Bild

Theater heute - Logo

Wie wäre es, wenn wir, nach jahrzehntelanger Abstinenz, einfach wieder ins Plattengeschäft gehen? Auf den ersten Blick alles wie gewohnt – und doch ganz anders? Schon beim Betreten hinterlegen wir unsere persönlichen Daten, inklusive Bankverbindung, und lassen die Kamera registrieren, die wir immer bei uns tragen. Beim Durchwühlen der Regale protokolliert die Geschäftsleitung, welche Alben und Stücke wir uns wie lange anhören.

Bevor wir selber eine Auswahl treffen können, legt das Personal ständig neue Zusammenstellungen mit Titeln auf den Tresen, von denen es annimmt, dass sie uns genauso oder noch besser gefallen. Jede unserer Entscheidungen wandert in eine Datenbank. «Damit handelt der Laden, das ist sein geheimes Geschäftsmodell.» 

Weil wir das Geschäft nicht verlassen dürfen, solange wir Musik hören, bringen wir beim nächsten Besuch eine Decke, ein Kissen und einen Schreibblock mit. Gerade beim Arbeiten, vor und nach dem Einschlafen, hebt der Konsum des Angebots die Stimmungslage ungemein. Rätselhaft bleibt, warum wir im Shop nie anderen Kund:innen begegnen, obwohl die Mitarbeiter:innen damit werben, dass im Quartal nicht weniger als 350 Millionen ihren Weg dorthin finden.

De ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Christoph Gurk

Weitere Beiträge
Untergang genießen

Ein kurioses Ballett: Haie tanzen galant und leichtfüßig zur Musik von Chopin. Die Passagiere an Bord der «Medusa» dagegen tanzen lustvoll zu den 100 Schlägen, die einen Matrosen töten werden, der gefoltert wird, weil er einer Adeligen zu viel geflucht hatte. Na dann, gute Unterhaltung! In Christian Weises Mannheimer Bühnenversion von Franzobels Roman «Das Floß der...

Impressum 2/22

Theater heute

Die Theaterzeitschrift im 63. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion
Eva Behrendt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Redaktionsbüro
Katja Podzimski

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon...

Die Uneindeutigen

«Er ist ein Spielkopf»: Das sagt Claudius Körber vom Regisseur Mathias Spaan, mit dem er gerade in Bern einen Tausend-Facetten-«Kaspar» von Peter Handke auf die Bühne gebracht hat. Ein Spielkopf: Nichts könnte ihn selbst besser beschreiben. Wenn er mit mir am Tisch sitzt, wir wollten eigentlich nur mal einen Kaffee trinken, dann breitet sein Körper einen ganzen...