Das Ensemble, mein*e Lieblingskünstler*in
Als ich für mein Studium von Salzburg Land nach Hamburg zog, hatte mein Kulturschock Ausmaße einer schwindelerregenden Identitätskrise, die mich in eine depressive Dauerverwirrung stürzte. Den einen kulturellen Unterschied, den das 18-jährige Bauernmädchen, das ich war, aber sehr klar sehen und sofort freudig wertschätzen konnte, war die Qualität der Fußballkommentatoren im deutschen Fernsehen.
Die waren anders als die ORF-Kommentatoren, die sich im uninspirierten Namen-Aufzählen aller Spieler, die gerade den Ball berührten, verloren, oder sich vorschnell in wertenden Plattitüden versteckten. Die klangen nicht wie das säuselnde Dauernörgeln vom österreichischen Superexperten Schneckerl Prohaska. Der Fußballexperte im Studio, der mich besonders faszinierte, war Jürgen Klopp. Er beschrieb Spieler auf eine so eigene, tiefgehende, kluge, auch wertschätzende Art. Er machte mich auf die Arbeit von Spielern aufmerksam, die gerade gar nicht am Ball waren, beschrieb Spielzüge, die ich erst durch ihn erkennen konnte, benannte Qualitäten von Spielern, die mir davor nie bewusst waren, und machte mir Zusammenhänge sichtbar. Er verstand, was auf dem Feld los war und konnte es beschreiben.
Verz ...
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