Seltsame Pracht
Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten Gesprächs oder an einen Satz auf einem Zettel an der Wand des Kunstmuseums von Philadephia. Danke, Gedächtnis, denkt man dann, es ist schön, wenn wir zusammenarbeiten.
Jetzt gerade zum Beispiel, wenn die Fragestellung sich um den Stand der Künstler*in in der Gegenwart drehen soll, fällt mir – passender- oder unpassenderweise – ein, wie die damals siebenjährige Nichte des Töpfers Grayson Perry auf die Frage, was denn überhaupt eine Künstler*in sei und was er/sie tue, geantwortet hat: Eine Künstler*in sei jemand, der Sachen bemerke. «What do Artists do? They notice stuff». Kann man einen so seltsamen Beruf noch einfacher und klarer beschreiben? In meinen Augen nicht.
A propos Augen: Von dem amerikanischen Maler Mark Tansey, um den es hier kurz gehen soll, gibt es ein Gemälde, das heißt «The innocent eye test». Eine Gruppe edel und ...
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Theater heute Ein zehnstündiges Antiken-Großprojekt wie «Dionysos Stadt» ist für ein Stadttheater nicht gerade üblich. Peter Stein hat es 1980 mit der «Orestie» an der Berliner Schaubühne einmal unternommen, aber die Schaubühne war damals auch kein übliches Stadttheater. Wie ist diese im besten Sinn wahnwitzige Idee überhaupt entstanden?
Christopher Rüping Die...
Denn Kunst und Sinnen hat Schmerzen / Gekostet von Anbeginn.» Kann ich noch auswendig, von früher. Steht in einem Turmgedicht, von Hölderlin. Die Kunst von gestern heißt ja heute Kunstkunst, so wie man Tanztanz sagt, wenn man über Tanz mit synchronen Bewegungen sprechen will, über Tanztheater, Ballett oder sonstwas Virtuoses. In meiner Erinnerung opferte man sich...
vorwort zu den podesten
1. eigentlich traue ich mich nicht, über jemanden zu schreiben, der noch lebt, und schon gar nicht über jemanden, den ich persönlich kenne. 2. es ist so einfach, einen mann auf ein podest zu stellen, schließlich erinnert er uns ja immer an etwas oder jemanden – an all die vielen anderen männer auf podesten davor. und wenn mir etwas bekannt...
