Das Bedürfnis nach Lügen
Franz Wille «Der Stein» ist ein weiter Wurf und ziemlicher Brocken: ein deutsches Geschichtsdrama des 20. Jahrhunderts, zumindest der letzten zwei Drittel. Es setzt 1935 ein, und die letzte Station spielt 1993. So etwas hat zumindest seit Heiner Müllers «Wolokolamsker Chaussee» niemand mehr versucht. Wie schreibt man Geschichte?
Marius von Mayenburg Für mich war es ein Stoff, den ich schon lange schreiben wollte, weil er viel mit mir und meiner Familie zu tun hat.
Es fließen viele Geschichten ein, die ich von meiner Großmutter kenne und von meinen Eltern, von befreundeten Familien. Man könnte sich bei diesem Thema auch totrecherchieren, und eigentlich alles, was man findet – und man findet viel – ist hochinteressant. Aber ich wollte vor allem die Dinge erzählen, die für mich eine emotionale Bedeutung gewonnen haben, weil sie mich seit meiner Kindheit beschäftigen. Deshalb habe ich mir auch verkniffen, Elemente aufzugreifen, die vielleicht zu der Geschichte gepasst hätten, die aber angelesen waren, zu denen ich nicht diesen emotionalen Zugang habe.
FW Zum Beispiel?
Mayenburg Stasi-Verstrickungen hätten sich angeboten, Dissidentengeschichten, Deutscher Herbst – da hätte es einige ...
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Wäre das ein Film noir und kein Stück von Karl Schönherr, man würde von einer Femme fatale sprechen. Aber damals in Tirol hat man eine Frau, die mit den Männern spielt, halt noch Weibsteufel genannt. In einem tief im Wald gelegenen Haus lebt ein Schmuggler, der seine Geschäfte durch einen aufmerksamen jungen Grenzjäger bedroht sieht. Die Frau des Schleichhändlers...
Auf den ersten Blick: Das gute Zimmermannshandwerk soll es also richten. Johan Simons hat seine «Vergessene Straße» aus Sperrholz quer in die Jahrhunderthalle Bochum gebaut, gut zwanzig Meter lang. Betont karge Häuserfronten, die teils wie Schiebetüren zu handhaben sind, bieten sich den Publikumstribünen zu beiden Seiten dar. Nach oben schließt die Straße durch...
Womöglich hätte Jürgen Berger, Kritiker, Autor dieser Zeitschrift und Theatertreffen-Juror aus dem Badischen, sein erstes aufgeführtes Theaterstück gar nicht geschrieben, wenn er nicht monatelang geglaubt hätte, für den Dramatiker und Regisseur Armin Petras zu recherchieren. Gemeinsam mit dem Gorki-Intendanten war der Journalist vergangenes Jahr in Buenos Aires...
