Kreisen um die schwarzen Löcher
Womöglich hätte Jürgen Berger, Kritiker, Autor dieser Zeitschrift und Theatertreffen-Juror aus dem Badischen, sein erstes aufgeführtes Theaterstück gar nicht geschrieben, wenn er nicht monatelang geglaubt hätte, für den Dramatiker und Regisseur Armin Petras zu recherchieren. Gemeinsam mit dem Gorki-Intendanten war der Journalist vergangenes Jahr in Buenos Aires der 80-jährigen Ellen Wolf begegnet, als sie in der schwarzen Komödie «La Omision de la familia Coleman» die Großmutter spielte.
Als die Männer die hellwache und gänzlich undivenhafte alte Dame nach der Vorstellung trafen, witterten sie Theaterstoff. In langen Gesprächen entlockte Berger dann der deutsch-jüdischen Argentinierin ihre bewegte Familiengeschichte.
Bis heute legt Ellen Wolf sich regelmäßig auf die Couch, und das vermutlich nicht nur, weil in Buenos Aires die Psychoanalytikerdichte so hoch wie sonst nirgends ist. Als Sechsjährige musste sie 1933 auf der Flucht vor den Nazis mit ihrer Familie aus Stuttgart über die Schweiz nach Argentinien auswandern. Jahrzehnte später, 1977, entführt und ermordet die Junta dort ihre älteste Tochter, die gerade 21 und Mutter geworden war. Ellen fährt den Entführern noch todesmutig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz Wille «Der Stein» ist ein weiter Wurf und ziemlicher Brocken: ein deutsches Geschichtsdrama des 20. Jahrhunderts, zumindest der letzten zwei Drittel. Es setzt 1935 ein, und die letzte Station spielt 1993. So etwas hat zumindest seit Heiner Müllers «Wolokolamsker Chaussee» niemand mehr versucht. Wie schreibt man Geschichte?
Marius von Mayenburg Für mich war...
Die Hörspiel-Version von Kehlmanns Romanerfolg war nur eine Frage der Zeit. Vor allem aber war sie eine Frage des Wie. Denn die Verzahnung des nach Amerika reisenden Weltforschers Humboldt mit dem Leben des Provinzprofessors Gauß bewirkt ihr erzählerisches Tempo durch ein raffiniertes Stilmittel. Der Autor balanciert zwischen indirekter Rede und Figurensprache, die...
Die Förderungsmöglichkeiten für Theaterautoren vervielfältigen sich. Immer mehr Theater schmücken sich mit Autorentheatertagen. Weitere Hochschulen bieten Studiengänge für Szenisches Schreiben an. Die institutionslosen Einzelgänger, ohne die das Theater doch nicht auskommen kann, sollen auch etwas vom öffentlichen Subventionsgeld erhalten. Das Ergebnis ist: mehr...
