Darstellerische Kabinettstücke
Fern sei es von mir, die Kompetenz der Jury des Theatertreffens in Zweifel zu ziehen. Ich wollte nie dabei sein (Joachim Sartorius ist mein Zeuge), will es auch künftig nicht. Keineswegs bloß aus Bequemlichkeit: Ästhetische Urteile erscheinen mir prinzipiell fragwürdig, daran kön-nen Mehrheitsentscheidungen wenig ändern. Lieber verlasse ich mich deshalb auf meine eigenen Irrtümer – und habe so nicht für jene anderer gerade zu stehen. Klar jedoch, dass irgendein Gremium die Auswahl treffen muss.
Trotzdem vermag ich in einem Punkt meine Betrübnis kaum zu verhehlen.
Denn schon früher suchte ich den Namen Andrea Breth vergeblich in der Liste der Nominierten. Dabei hatte sie mich mit der wundersamsten Klassikeraufführung seit Jahren beglückt: Kleists «Zerbrochner Krug» bei der Ruhrtriennale in Essen im September 2009. Welch herrliches Ensemble rund um Sven-Eric Bechtolf! Wie tief und scharf blickte die Regie in geheimste Seelenwinkel der Figuren, also auch von uns selbst. Ein Grund für das Fehlen dieser Produktion unter den «zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison» mag gewesen sein: Sie wurde von keinem anderen Festival oder Haus übernommen. Für die jüngste Meisterleistung ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 18
von Ulrich Weinzierl
Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil...
Wenn in der nächsten Woche die Regierung zurücktritt, darf auf Demonstrationen getanzt werden», beendet Heiner Müller seine Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. Zukunftsbesorgt hatte er davor zur «Gründung freier Gewerkschaften» aufgerufen − die Volksstimme buht. Jetzt jubelt sie, eine halbe Million, deren «Euphorie» und «Bedürfnis nach einem...
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...
