Schluss mit dem verschnarchten Wilmersdorf!
Franz WilleWelche Dekoration für die Kassenhalle und welches Motto erwartet die Theatertreffen-Besucher denn in diesem Jahr?
Iris LaufenbergKein Motto! Das brauchen wir nicht mehr. Es war hilfreich, nicht zuletzt um Journalisten ein Reizthema zu geben. Man sollte das Theatertreffen auch als Ganzes betrachten, nicht nur als zehn einzelne Inszenierungen. Sondern als Dialog, als Debattenanreger, als Tableau. Aber das ist nun geschafft!
FWIn diesem Jahr findet das TT zum neunten und auch letzten Mal unter Ihrer Leitung statt.
Diese Position ist ja keine einfache und auch keine immer nur dankbare. Einerseits trägt man die Verantwortung für das Gelingen des Theatertreffens, andererseits entscheidet die Jury über die Einladungen. Was sind die Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten einer TT-Leitung?
LaufenbergUm die Frage zu beantworten, muss man auch ein bisschen zurückblicken auf meine ersten Jahre. Als ich anfing, war Joachim Sartorius schon ein Jahr im Amt als Intendant der Berliner Festspiele, und er hatte etwas Unerhörtes gewagt: einen Generationswechsel in der Kritiker-Jury eingeläutet, dem dann unmittelbar ein Generationswechsel bei den eingeladenen Regisseuren folgte. Kein Stein, ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 20
von Franz Wille
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
Nein, es ist keine Romanbearbeitung, mit der Michael Thalheimer seine erste Regie an der Berliner Schaubühne vorstellt. Der Großromancier Lew Tolstoi hat 1886 mit «Die Macht der Finsternis» ein veritables Drama, fünf Frauen, sechs Männer, um die Gier, das Geld und den Tod geschrieben. Sechs Jahre früher hat der sehr junge Kollege Tschechow seinen müden...
Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm...
