Dann schmollt der Vater
Ja, der Islam gehört zu Deutschland, gehört zum Westen. Die etwas weitergehende These müsste lauten: Der Islam gehört sogar so eindeutig zum Westen, dass er als Subkultur nahezu ununterscheidbar geworden ist zum Mainstream. Karin Beier zeigt in ihrer Erstaufführungsinszenierung von Ayad Akhtars «The Who and the What» am Hamburger Schauspielhaus eine pakistanischstämmige Rumpffamilie in Atlanta: verwitweter Vater, zwei Töchter, Schwiegersohn, allesamt perfekt assimiliert an die kleinbürgerliche Umgebung.
Nach außen versucht Vater Afzal, nicht unangenehm aufzufallen, indem er sich als nützliches Mitglied der USGesellschaft erweist und vom Tellerwäscher zum Millionär beziehungsweise vom Immigranten zum Taxiunternehmer aufgestiegen ist, nach innen lebt er einen durchaus sittenstrengen Islam, der freilich Freiheiten ermöglicht, sofern der Koran nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Mit anderen Worten: Afzal ist einerseits liebender Vater, dem man abnimmt, dass er sich nichts mehr wünscht, als dass seine beiden Töchter glücklich sind. Und andererseits dogmatischer Patriarch, der sich selbst als konservativen Muslim bezeichnet und dessen Konservatismus durchaus mit Machtstrukturen ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Das Gespräch, Seite 11
von Falk Schreiber
Jetzt seid Ihr schon vier Frauen in der Jury und schafft es nicht, mehr als eine Regisseurin zum Theatertreffen zu bringen?» So in etwa lautete die absolut nachvollziehbare, männlicherseits nicht ganz hämefreie Kritik nach der Bekanntgabe der diesjährigen Auswahl. In der Tat hatte sich die weibliche Mehrheit in den vergangenen Monaten mit wachsendem Unbehagen über...
Gleich zwei kaum noch gespielte Stücke hat man da in Dortmund fast zeitgleich ausgegraben. Wie um seine unbedingte Distanz zu Brecht noch zu betonen, lässt Sascha Hawemann in «Furcht und Elend des Dritten Reiches» hinter einem distanzierten Vorhang im Dauerloop Brecht-Fotos und -Filme aus den 30er Jahren abspielen – eine pädagogische Entsorgung als Che Guevara...
So sieht der Neuanfang wohl eher selten aus – der Neue wird zunächst mal aufs Kreuz gelegt, nach allen Regeln der Kampf-Kunst. Klaus Figge, dieser letzte Mohikaner in allen Techniken und Tricks des virtuellen und wirklichen «Kämpfens» auf der Bühne, hat Harald Wolff, den gerade frisch gekürten neuen Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft, mit festem Griff...
