Clown Adam

Kleist «Der zerbrochne Krug»

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Die Cinemascope-Kiste steht wie ein zu groß geratenes, dummerweise aber leeres Weihnachtsgeschenk auf der Bühne. Das passt insofern, als die Spielzeit sich bereits der Halbzeit und das Theater jener Form der Entspannung nähert, die sich immer dann einstellt, wenn der Betrieb zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt auf Hochtouren läuft. Betrachtet man es so, könnte man auch damit einverstanden sein, dass Jens-Daniel Herzogs «Krug»-Inszenierung in etwa jene Entspanntheit ausstrahlt, die schon Mathis Neidhardts Bühnenbild suggeriert.

Dass der ganze Abend etwas mit Entspannung zu tun hat, wird gleich zu Beginn deutlich, wenn Mannheims Adam sich zum ersten Mal zeigt und man das unabwendbare Gefühl nicht los wird, diesem durchtriebenen Herrn in den nicht mehr allerbesten Jahren könne auf keinen Fall etwas geschehen. Warum auch? Schließlich wandelt da ja der Richter persönlich und kann auch jetzt sein ganz eigenes Recht sprechen, da er das junge Mädchenfleisch der Eve nicht mehr nur aus der Ferne riechen wollte. 

Andererseits hat sich aber Gerichtsrat Walter angesagt, und der wirkt, als wittere er schon Meilen vor Husum, dass er es hier auf dem flachen Land mit einem Rechtsbeuger zu tun ...

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Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Jürgen Berger

Vergriffen
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