Chronisch erschöpft
Zu den Eigenheiten des Wiener Volkstheaters gehört die sogenannte Bezirke-Tournee. Seit 1954 tingelt das Theater – zusätzlich zum regulären Programm – mit eigens dafür produzierten Inszenierungen durch die Festsäle von Volkshochschulen und ähnlichen kommunalen Einrichtungen. Die Reihe «Volkstheater in den Außenbe -zirken» (heute: «Volkstheater Bezirke») ist eine tolle Einrichtung, typisch für die volksbildnerisch engagierte Sozialdemokratie von Wien.
Das Konzept ist aber auch in die Jahre gekommen, und bei stetig sinkenden Zuschauerzahlen wird seit Jahren mehr oder weniger erfolglos versucht, die Sache zu reformieren.
Der Regisseur Calle Fuhr, der seit dem Vorjahr für die «Bezirke» zuständig ist, setzt auf Recherche-Theater. In seiner ersten Spielzeit schrieb Fuhr selbst ein Stück («Heldenplätze»), in dem die Vergewaltigungsvorwürfe gegen die Tiroler Skilegende Toni Sailer verhandelt wurden; eine andere Bezirke-Produktion («Der Fall Julia K.») widmete sich einem ungeklärten Mordfall. Die neue Saison wurde mit einer Arbeit der in Berlin lebenden Dokumentartheaterspezialistin Karen Breece eröffnet. Der Titel «Wien’s Anatomy» spielt auf die amerikanische Krankenhausserie «Grey’s ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
AACHEN, THEATER
11. Lasker-Berlin, Ich, Wunderwerk und How much I love disturbing content
R. Marlene Anna Schäfer
17. Günther, Die (Un)Entbehrlichen (U)
R. Ulrike Günther
18. von Düffel nach Ende, Die unendliche Geschichte
R. Roman Kohnle
AALEN, THEATER DER STADT
12. Schmitt, Oskar und die Dame in Rosa
R. Tina Brüggemann
20. Ludwig nach Kästner, Pünktchen...
Zum Davonlaufen! Nicht die Inszenierung, die kann man sich beruhigt ansehen, nein, die Rolle. Wer will schon eine geliebte Frau ermorden? Schauspieler:innen haben es schwer, sie müssen Dinge tun, die sie nicht wollen. Und das «Nur-alsob» reicht nicht mehr zur Entschuldigung. Eigentlich sollte man Shakespeares «Othello» gar nicht mehr spielen, meint die weiße...
So leise kann der Neue Zirkus daherkommen: Acht Männerkörper bewegen sich zu kontemplativen Musik-Loops über die Bühne im Karlsruher Kulturzentrum Tollhaus. Was sie zeigen, ist kaum mehr als das kleine Einmaleins der Artistik – etwa der aufrechte Stand auf den Schultern eines anderen, der sich dabei durch den Raum bewegt. Und dennoch schafft die belgische There...
