Ungeheulte Tränen
Eigentlich gehört sie gar nicht dazu. Iphigenie, ist «die Handlung vor der Handlung / der Hintergrund / um die Story auszulösen». Schließlich, so erzählt es Aischylos’ «Orestie», muss Iphigenie geopfert werden, damit ihr Vater Agamemnon überhaupt gegen Troja in den Krieg segeln kann. Denn vorher ist da Windstille, gottverdammte Flaute. Agamemnon also opfert seine Tochter. Wind kommt auf und mit ihm Krieg, Schuld und Verhängnis. Später Mord, Betrug, und Rache – die ganze Orestie eben.
Iphigenie also ist nicht mehr als «eine halbe Zeile / in der Geschichte ihres Vaters / Absatz 7.1.2 in seinem detaillierten Wikipedia-Eintrag», ist «der Zündfunke, der Firestarter». So nüchtern, feinsinnig ironisch beschreibt Sivan Ben Yishai die Frauenfigur. Ben Yishai, Miru Miroslava Svolikova und Maren Kames haben für die Spielzeiteröffnung am Theater Münster die «Orestie» fortgeschrieben. Dafür legen die Autorinnen Iphigenie mit «Das Dilemma meines Vaters» (Sivan Ben Yishai) einen sehr heutigen, sachlich-analytischen Prolog in den Mund, geben mit «kassandras» (Miroslava Svolikova) der hellsichtigen Seherin unzählige ungehörte Stimmen und lassen in «Ich glaube ich spuke – eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Europas Festival» – darunter macht es diese dritte Ausgabe des Lausitz Festivals nicht, und tatsächlich hat Festivalintendant Daniel Kühnel hier einen kleinen Theatercoup gelandet. Er brachte das Ensemble des Schauspielhauses Hamburg mit Stefan Pucher ins sächsische Weißwasser. Hier hatte zur Festivaleröffnung «Julius Caesar» Premiere, der auch die Spielzeit des...
Zu den Eigenheiten des Wiener Volkstheaters gehört die sogenannte Bezirke-Tournee. Seit 1954 tingelt das Theater – zusätzlich zum regulären Programm – mit eigens dafür produzierten Inszenierungen durch die Festsäle von Volkshochschulen und ähnlichen kommunalen Einrichtungen. Die Reihe «Volkstheater in den Außenbe -zirken» (heute: «Volkstheater Bezirke») ist eine...
Der Regisseur und Intendant Christoph Schroth, der im September nach langer Krankheit starb, zählte zu den wichtigen, unorthodox marxistisch argumentierenden Theaterleuten der DDR, dem die große Karriere eines Benno Besson oder Giorgio Strehler versagt blieb, dessen Inszenierungen erst sehr spät zu Auslandsgastspielen und zum Westberliner Theatertreffen eingeladen...
