Chronik eines Untergangs
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als neuer Mensch das gelobte Land des 19. Jahrhunderts, die riesige Spieluhr Amerika, und hofft, ein Türchen für sich darin zu finden.
In epischer Form und rhythmisierter, fast biblisch anmutender Sprache erzählt der italienische Autor Stefano Massini die Familiengeschichte der Lehman-Brüder, die in Amerika ihr Glück machen. Die Trilogie spannt mit großem Atem einen Bogen über 150 Jahre Wirtschafts- und Weltgeschichte sowie drei Generationen: von den Wünschen und Hoffnungen eines kleinen jüdischen Einwanderers aus Bayern bis zum weltumspannenden Imperium einer Dynastie.
Henry Lehman also eröffnet ein winziges Stoff- und Kleidergeschäft in Montgomery, Alabama. H. LEHMAN steht auf dem Glas in der Tür. Er rechnet in seinem Notizbuch aus, wie lange er arbeiten muss, um seine Schulden zu bezahlen, und kann bald ein richtiges Schild ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 189
von Felicitas Zürcher
Eine der beglückendsten Lektüren der letzten Jahre war für mich die von John Alec Bakers «The Peregrine» über ein Wanderfalkenpaar im Osten Englands. Baker, der die Falken drei Jahreszeiten lang beobachtete, beschreibt sie mit so leidenschaftlicher Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, er identifiziert sich mit ihnen, verschmilzt mit ihnen und beginnt, die Welt von...
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische...
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt...
