Der Krieg in Kopf und Körper
Anna Jablonskajas «Familienszenen» handeln vom Krieg. Vom Kriegsheimkehrer Nikolaj, der als Offizier fünf Jahre an verschiedenen Krisenschauplätzen im Einsatz war und nun mit einem posttraumatischen Stresssyndrom in den Schoß der Familie, zu seiner Frau Irina und Sohn Wanja, zurückkehrt – Familienszenen.
Irina hat zwischenzeitlich eine Affäre mit Sergej, dem Biologielehrer ihres Sohnes, nachdem Tolik und Ruslan schon lange Geschichte sind: Ich bin dreißig! Ich bin eine normale Frau! Andere brauchen das vielleicht nicht, aber ich kann nicht
ohne! Soll ich vielleicht alle fünf Jahre mal mit einem Kerl schlafen? Oder mich aufhängen?
Irina nimmt sich, was sie braucht, und bleibt immer bei sich. Auch wenn dieses «bei sich» ein weites Feld umfasst. Sie gibt nur, was sie geben will und schert sich nicht um Vollkommenheit. Ihrem 12-jährigen Sohn Wanja gegenüber ist Irina hilflos. Wanja kapselt sich ab; ein Stock, mit dem er sämtlichen Gegenständen seinen Rhythmus aufdrängt, ist seine Waffe. So hält er sich alles vom Leib, dem Leib, den er noch nicht entdeckt hat.
Mit der Rückkehr des Vaters verändert sich das labile Gleichgewicht; Liebhaber Sergej muss weichen, Irina schickt ihn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 181
von Bettina Hering
Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.
Es gab...
Großes Gedränge bei den Stücken des Jahres! Knapp die Nase vorn hat Sibylle Bergs
«Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» über das sprachstark einbildungsreiche, doch ereignisarme Leben eines Berliner Mitte-Hipster-Girlies.
Ausländischer Autor ist Martin Crimp, der mit «Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino» und «In der Republik des Glücks» für neue Impulse...
Im idealen Staat sollte bekanntlich kein Theater mehr stattfinden. Gilt das umgekehrt? Oder ist das nur ein Traum von marktradikalen Neoliberalen? Das Theater meiner Träume sieht dem abgerissenen Palast der Republik verdammt ähnlich, allerdings ist er nun zweigeteilt: Der eine Flügel ist überflutet, aus dem Wasser ragt eine Bergspitze, Besucher rudern in Booten...
