Bayern München!
Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl verworren ausweichend, neu getaktet in meinem U-Bahn-Schacht verschwunden bin, meine Gewichte in Gläsern, meine Gewichte in Füßen, behauptete, dass das Theater genau so, wie es ist, das ideale Theater sei.
Mein ideales Theater, sagte ich begeistert, als ich mit der U-Bahn vom Theater wegfuhr, ist einfach großartig, wenn es so großartig ist, wie gerade gestern, als ich auf Seltsamste erfüllt mit sich immer wieder neu in mir anordnenden Sätzen, die sich immer wieder neu aus der Theatervorstellung auffüllten, in die U-Bahn stieg. Schauspieler wurden zu Gedanken, die dort in ihrer entfernten Bühnenwelt eine völlig neue Schrift in unregelmäßigen Zügen, eine stundenlange Skulptur veränderte sich, machte Sinn, entzog sich wieder.
Was wir brauchen, sind große Inszenierungen auf großen, ja riesigen Bühnen, aufwändige Inszenierungen, ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 172
von Felicia Zeller
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren...
Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Wolfram,
wie Sie alle hier ja wissen, sieht es mit der Gegenwartsdramatik schlecht aus.
Klar ist das jetzt auch ein polemischer Satz, solche Sätze eignen sich ja sehr gut, um so eine Rede anzufangen – das darf aber auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass ich den Satz auch so meine. Wenn ich mit Leuten in meinem Alter spreche...
Der Zustand der Theater ist Ausdruck der Gesellschaft, von der sie unterhalten werden. Ästhetisch. Strukturell. Organisatorisch. Wie sollte es auch anders ein. Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach so, wie es ist. Das Personal, die ästhetischen wie politischen Programme bilden ab, wie es um die Macht- und Verteilungsverhältnisse in Deutschland, in...
