Die ganz normale Brüchigkeit der Welt
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren sollte, was Sie über dieses oder jenes denken? Leiden Sie auch an diesem abendländischen Individualitäts-Größenwahn? Dieser reichlich selbstbesoffene Geisteszustand ist zwar – so viel zu Ihrer Entschuldigung – in alteuro
päischen Gegenden ziemlich verbreitet. Es handelt sich um eine Annahme, an der die örtliche Alltagsnormalität aufruht, und die man hierzulande beinahe für die Natur des Menschen hält. Aber was heißt das schon?
Karin Henkel zeigt, dass es auch anders geht. Wenn sich zum Beispiel nicht wie bei Kleist überschaubare zwei Sosiasse und Amphitryone ihre sogenannte Identität streitig machen, sondern gleich vier oder fünf. Oder wenn dann drei von ihnen über den vierten herfallen oder sich gegenseitig in den Satz fallen, der ja dann auch keinem einen mehr gehört. Selbst althergebrachte Überzeugungen nützen da nicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Inszenierungen des Jahres, Seite 124
von Franz Wille
In letzter Zeit wird wieder verstärkt übers Theater gestritten, vor allem über seine Zukunft. Wie soll sie aussehen? Die Stadttheater bewahren? Eine zweite Säule aus Projektförderung daneben stellen? Mehr Produktionshäuser gründen? Und wie geht es überhaupt mit dem Ensemble- und Repertoirebetrieb weiter? Übernimmt der Apparat die Kunst? Das sind alles berechtigte...
Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und...
In meiner Vorstellung ist dieses Theater eine architektonische, räumliche Erweiterung meines Körpers. Ein Wahrnehmungsapparat. Was sich eröffnet, ist ein Ort, in dem alles fröhlich uneindeutig ist, so klar es auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Die Architektur, die Schichtung des Baumaterials, die Wände. Oder die Türen, mit flackernden Notausgangsschildern,...
