Chanel forever

Anja Hilling «Nostalgie 2175»

Theater heute - Logo

Das Jahr 2175 wird niemand herbeisehnen, jedenfalls wenn es nach Anja Hilling geht. Ihr Science-Fiction-Szenario entwirft eine Welt nach der Klimakatastrophe, in der sich keiner ungestraft der frischen Luft aussetzt und jeder Sonnenanbeter bei lebendigem Leib gegrillt würde. Stattdessen behilft man sich mit bescheidenen Innenwelten: Eine Spezialfirma bietet Wandtapeten aus Haut mit integrierter Schutzfunktion, die von einem künstlerisch talentierten Angestellten mit Motiven aus der Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts aufgehübscht werden: Schöner Wohnen übermorgen.



Unter solchen Bedingungen, geeignet für einen mittelschweren Katastrophenfilm, fangen die Probleme erst an. Der Tapetenkünstler Taschko (Daniel Hoevels) ist nach einer Vergewaltigung unter freiem Himmel besonders berührungsempfindlich, was verständlicherweise seine Freundin Pagona (Susanne Wolff) frustriert, die sich die besonderen Streicheleinheiten bei dem sinnlichen Hauttapetenfabrikanten Posch (Peter Jordan) holt. Dabei wird sie ganz altmodisch schwanger, was anno 2175 an ein Weltwunder grenzt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tod im Kindbett führt. Die sich anbahnende Tragödie nimmt zwar trotzdem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Wer vögelt, hat mehr vom Schlagen»

Schweindi Sei doch nicht so streng, Hasi, was soll denn unser Sohn über die Welt denken, wenn er das hört. Wir sind doch Familienmenschen, eine richtig einheimische Familie. Wir sind gefühlvolle Menschen und müssen die Worte nachsichtig einsetzen.

Hasi Da muss unserem Familienoberhaupt aber einmal das Schwänzchen himmelwärts aufsteigen, sonst ist es Essig mit den...

Die Bereitschaft, die Kurve zu kratzen

2007 war das Jahr der Patrycia Ziolkowska: Auftritt in Luk Percevals «Molière»-Passion bei den Salzburger Festspielen, Eröffnungspremiere am Schauspiel Köln mit einer fulminanten Kriemhild-Kür, für die sie zusammen mit Kollegin Maja Schöne (als Brunhild) vor kurzem den Preis des neu ausgerichteten NRW-Theatertreffens erhielt, und der europäische Filmerfolg von...

Schleich di, Fremder!

Stimmt schon, Joseph Roths «Hiob» ist ein beeindruckender Roman: Wie er auf knappen 150 Seiten die Geschichte Mendel Singers episch ausbreitet, eines armen russischen Juden und Bibellehrers, auf den diverse Schicksalsschläge solange niederprasseln, bis er Gott abschwört und erst von allen verlassen seinen Glauben wiederfindet. Wie Roth mit alttestamentarischer...