Sympathische Selbstzweifel
Der Mensch ist frei, und weil er frei ist, kann er so tun, als sei er unfrei. Iwanow kann tun, was er will, und weil er das weiß, kann er nichts tun. Die Hauptfigur von Tschechows erstem abendfüllenden Stück könnte uns zeigen, wie weit es kommen kann mit uns, den allzu gründlich über sich selbst aufgeklärten Menschen. Amélie Niermeyers Inszenierung versucht das Stück unauffällig, aber dezidiert an die Gegenwart anzubinden. Eine neue Übersetzung (von Alexander Nitzberg) trägt dazu bei, nebenbei wird sie weiter aktualisiert, wenn aus dem «Parlament» eine «Quatschbude» wird.
Die Handlung ist gestrafft, die Charaktere sind geschärft.
Kossych, der Spieler, zum Beispiel (Markus Danzeisen) versinkt völlig in seiner virtuellen Welt: ein kommunikationsunfähiges Opfer der Online-Computerspiele. Lebedev (Michael Abendroth), wunderbar schnoddrig, überfordert, bestenfalls halbnüchtern: der Freund und Brautvater. Lebedevs Frau (Gabriele Köstler) hat nur einen Charakterzug: Geiz. Witwe Babakina (Claudia Hübbecker) tanzt einsam im glitzernden Minikleid mit hervorrutschendem rosa BH: unattraktiv, aber reich. Was Tschechow an seinem Erstling später störte, die Mechanik der konventionellen Komödie, ...
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