Brillantes Solo
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche Vergebung, blickt übers stille Wasser und berührt einen Ring, Geschenk ihrer Eltern. Alles Lüge also: Sie habe ihn für einen Affen verkauft.
Lügen, Täuschungen, Betrügereien: Ein bitteres Ende hat diese «Komödie», die sich nur in der Heiratskonvention genretypisch auflöst. Eine zwiespältige Angelegenheit – erst recht für eine Filmadaption.
Die Titelfigur ist Jude, dabei kein Sympathieträger; ein Geldverleiher, der statt auf einer – verspäteten – Rückzahlung auf einem Blutopfer besteht. Dass Shakespeare in seinem Leben keine Gelegenheit hatte, Juden zu begegnen, weil sie aus England verbannt waren; dass Shylock in der Tradition Marlowescher Figuren eher legendären als realistischen Charakter hat; dass im späten 16. Jahrhundert vom Holocaust nichts zu ahnen war – das alles ändert nichts daran, dass jeder Regisseur, der sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man kann es nicht mehr hören, das alberne Geraune um die mögliche Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Anschlägen vom 11. September. Dadurch, so geht das Mantra linker Verschwörungstheorie, habe sich die Bush-Administration ihre geostrategischen Weihnachtswünsche endlich erfüllen und über Afghanistan und den Irak zur lang gehegten Weltumarmungsstrategie...
Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki...
Geschlossen» signalisieren wuchtig schwarze Lettern auf dem Vorhang. Doch die Drohgebärde gilt, gelegentlich aufflackernden Prophezeiungen zum Trotz, nicht dem liebenswert winzigen Theaterchen mit seinen knapp 300 Plätzen zu Füßen der Heideksburg. Gemeint ist ein ehemaliger Schweinestall, irgendwo in einem gottverlassenen östlichen Landstrich, in Oliver Bukowskis...
