Brillantes Solo
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche Vergebung, blickt übers stille Wasser und berührt einen Ring, Geschenk ihrer Eltern. Alles Lüge also: Sie habe ihn für einen Affen verkauft.
Lügen, Täuschungen, Betrügereien: Ein bitteres Ende hat diese «Komödie», die sich nur in der Heiratskonvention genretypisch auflöst. Eine zwiespältige Angelegenheit – erst recht für eine Filmadaption.
Die Titelfigur ist Jude, dabei kein Sympathieträger; ein Geldverleiher, der statt auf einer – verspäteten – Rückzahlung auf einem Blutopfer besteht. Dass Shakespeare in seinem Leben keine Gelegenheit hatte, Juden zu begegnen, weil sie aus England verbannt waren; dass Shylock in der Tradition Marlowescher Figuren eher legendären als realistischen Charakter hat; dass im späten 16. Jahrhundert vom Holocaust nichts zu ahnen war – das alles ändert nichts daran, dass jeder Regisseur, der sich ...
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