Brillantes Solo
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche Vergebung, blickt übers stille Wasser und berührt einen Ring, Geschenk ihrer Eltern. Alles Lüge also: Sie habe ihn für einen Affen verkauft.
Lügen, Täuschungen, Betrügereien: Ein bitteres Ende hat diese «Komödie», die sich nur in der Heiratskonvention genretypisch auflöst. Eine zwiespältige Angelegenheit – erst recht für eine Filmadaption.
Die Titelfigur ist Jude, dabei kein Sympathieträger; ein Geldverleiher, der statt auf einer – verspäteten – Rückzahlung auf einem Blutopfer besteht. Dass Shakespeare in seinem Leben keine Gelegenheit hatte, Juden zu begegnen, weil sie aus England verbannt waren; dass Shylock in der Tradition Marlowescher Figuren eher legendären als realistischen Charakter hat; dass im späten 16. Jahrhundert vom Holocaust nichts zu ahnen war – das alles ändert nichts daran, dass jeder Regisseur, der sich ...
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Der Skandal blieb aus, «die» Entdeckung ist es dann aber auch nicht gewesen: Als das Theater in Erlangen ankündigte, ein ausgegrabenes Stück des kommunistischen jüdischen Publizisten Alfred Kantorowicz (1899– 1979) uraufzuführen, das auch noch drohend den nackten Titel «Erlangen» trägt, witterten manche Bürger in einer Inszenierung des 1929 geschriebenen Dramas...
Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen...
Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten....
