Bremen: Eine rohe Generation
Ein Mann sitzt auf dunkler Bühne. Vor ihm ein Mobile aus geschliffenen Glasscheiben, auf die Filme projiziert werden, Schatten, Schemen. Das Publikum überquert den Raum und steht plötzlich zwischen jungen Menschen (Fabian Eyer, Judith Goldberg, Philipp Kronenberg, Meret Mundwiler aus dem Ensemble des Jungen Theaters Bremen), einem kreischenden, flügelschlagenden Schwarm. Ein kurzer Schreck, dann flimmern die Videos weiter, und dann hat man auch seinen Platz gefunden.
Mit diesem Einstieg stellt Alexander Riemenschneider klar, wo er mit seiner Dramatisierung von Ödön von Horváths 1937 erschienenem Roman «Jugend ohne Gott» hin will: zum Krimi und zum Schocker, die die Vorlage auf jeden Fall ist. Aber «Jugend ohne Gott» ist eben auch eine Geschichte vom Vorabend des Nationalsozialismus. Die kommt in der Koproduktion von Schauspiel- und Jugendsparte des Bremer Theaters jedoch nicht vor. Gezeigt wird zwar ein Lehrer, der vor einer sich rechts radikalisierenden Klasse versagt, aber wirklich interessant ist der sich entwickelnde Kriminalfall: Ein Schüler wird erschlagen, ein Kommissar ermittelt, es gibt ein falsches Geständnis. Spannend. Heute allerdings stellt die Schulpolitik ein ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
Psychiater Dr. Firs bringt nichts so schnell aus der Ruhe. In der Verkörperung des Schauspielers Gottfried Breitfuß strahlt er eine gewisse Gemütlichkeit aus; man stellt ihn sich nach Dienstschluss am Kaminfeuer vor, ein Glas Rotwein in Reichweite und einen Band Tschechow auf den Knien. Seine Privatklinik ist in einer Fin-de-siècle-Villa untergebracht, elegante...
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
Aufführungen
In Basel widmet sich Stefan Bachmann dem Amoklauf eines Staatsanwalts zwischen Befreiungsheld und Despotie: «Graf Öderland». Bei Michael Thalheimer im Berliner Ensemble laufen dagegen die «Gastarbeiter»-Feindbilder des Wirtschaftswunders Amok: Rainer Werner Fassbinders «Katzelmacher». Nebenan im Maxim Gorki will Christian Weise mit Shakespeares...
