Bremen: Animal triste
1989 fanden in der Prager Nationalstraße Demonstrationen statt, die nach einigen Tagen in die sogenannte Samtene Revolution mündeten. Die einerseits das stalinistische Regime hinwegfegte, andererseits das Doppelstaatsgebilde Tschechoslowakei implodieren ließ und das Land einem radikalen Raubtierliberalismus aussetzte.
Besonders samten geht es bis heute zumindest abseits des prosperierenden Prager Zentrums nicht zu; in den Plattenbauten der Nordstadt etwa ist vom revolutionären Geist der Nationalstraße gerade mal das Nationale geblieben.
Hier lebt Vandam, der sich nach dem Actionstar Jean-Claude Van Damme benannt hat und dessen Interessen in erster Linie Saufen, Prügeln sowie ein enzyklopädisches Geschichtswissen sind. Wobei, Geschichtswissen: Bei Vandam heißt das, Schlachten aneinanderzureihen. «Austerlitz. Verdun. Stalingrad. Die Menschheit ist ein einziger, großer Krieger.» Und Tschechien das ewige Opfer, Selbstmitleid die Emotionalität des Rechten.
Jaroslav Rudis’ Roman «Nationalstraße» ist im Grunde ein langer Tresenmonolog, in dem ein Verlierer der Geschichte nicht unsympathisch, aber auch nicht ungefährlich seine Weltsicht ausbreitet. Für die deutschsprachige Erstaufführung am ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Der Galgen ist ein Turngerät. Am dicken Strick, der an ihm hängt, lässt es sich wunderbar durch die Lüfte schaukeln. Am allerbesten versteht sich in dieser Inszenierung der «Komödie der Irrungen» der Kerkermeister darauf. Er ist in Gestalt von Merlin Sandmeyer ein spaßiger Gevatter Tod, ein stöckchendünner Zappelphilipp der Unterwelt, ein akrobatischer Komödiant...
Würde man das griechische Theater der Gegenwart als «Hamlet» spielen, dann wären Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris die ideale Besetzung für Rosenkranz und Güldenstern. Denn die beiden jungen bärtigen Männer sind grundverschieden und sich doch sehr ähnlich, sie sind immer freundlich, fast immer unterwegs, haben meistens einen Plan und sind sich nie ganz sicher...
Ein Rennbahnoval, umrandet von einer Bande mit Blinkerblümchen. An beiden Kopfenden Showportale, vor dem einen schweben Riesenballons mit Sternen und Streifen, das andere verblendet ein Riesenprospekt im Technicolorstil, darauf tanzen Zirkuslöwen mit Tangomädchen, manche zeigen auch nur die Pranken, oder sie reißen das Maul auf. Alles so quietschbunt hier. «A Great...
