Breitwandformat im Kollektiv

Philipp Stölzl bringt mit der deutschsprachigen Erstaufführung von «Das Vermächtnis (The Inheritance)» von Matthew Lopez erlebte Geschichte auf die Bühne des Münchner Residenztheaters

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Braucht eine Geschichte einen Autor? Oder gleich mehrere? Eltern vielleicht, wie ein Kind, Onkel, Tanten, Großmütter, Großväter? «Er hat eine Geschichte zu erzählen – sie schlägt Krach in ihm, sie will raus», ruft einer der Jungs, die sich zu Beginn dieses langen Theatertrips auf der Bühne des Residenztheaters zusammenfinden, alle ganz in Schwarz und mit Büchern und Laptops bewaffnet wie bei einem Schreibworkshop.

Es gibt viel zu bereden – vor allem auch, wie das mit dem Erzählen selbst und über sich selbst eigentlich funktioniert: Wie anfangen?, das ist die erste Hürde, und da kommt einer ins Spiel, der es auch nicht sicher weiß und dennoch den ganzen Abend wie ein väterlicher Freund und geistiger Mentor durchstreift (in Hollywood geht so etwas und in amerikanischen Theaterstücken anscheinend auch): Es ist E. M. Forster (1879–1970), Urheber von beschaulichen Gesellschaftsromanen wie «A Room with a View» oder «Howards End» und sozialisiert im viktorianischen England, in einer Zeit, als Schwulsein noch geächtet und sanktioniert wurde. Forster outete sich nie öffentlich und sorgte dafür, dass sein einziger explizit schwuler Roman «Maurice» erst nach seinem Tod erschien. 

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Theater heute März 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen

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