Übungen im Zuhören
Auf der Pfauen-Bühne steht ein Fließband, das Symbol entfremdeter Arbeit schlechthin. Nils Kahnwald bricht eine weiße Substanz in backsteingroße Brocken, diese wandern in einen großen Aluzylinder und von dort aus verflüssigt in verschiedenfarbige Zapfstationen. Im Verlauf der Aufführung füllt das Ensemble nebenbei immer mal wieder kleine Portionen daraus in kleine Dosen ab, die auf Tabletts in einer Vitrine gelagert werden.
Was genau wird da eigentlich hochsymbolisch produziert? Ein Kunststoff, Drogen oder das verfluchte Gold, aus dem «Der Ring des Nibelungen» geschmiedet ist?
Necati Öziri, Autor dieser Version der mythischen Wagneroper, tritt in Basecap, T-Shirt, Jogginghose an die Rampe: «Willkommen, bienvenue, hos geldini! Götter, dieux, tanrilar!», begrüßt der 1988 in Datteln geborene Dramatiker freundlich das Schweizer Premierenpublikum und fragt nach den «Wagner-Ultras»: «Wer von euch kennt die Oper, wer war schon mal in Bayreuth, wer hat das Libretto wirklich ganz gelesen?» Am Ende sieht es gar nicht so gut aus für das bildungsbürgerliche Erbe im Zürcher Schauspielhaus, das zu schleifen Öziri und sein Regisseur, Christopher Rüping, angetreten sind, aber vielleicht trauen ...
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Theater heute März 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Eva Behrendt
Liebevoll setzt Yves Ndagano die Holzpuppe an einen Baum, zieht sein Hemd aus und verwandelt sich in einen manipulativen Milizionär. «Du musst für dein Land kämpfen», beschwört er sein Kinder-Ich am Baum und gurgelt bedrohlich: «Sei wie Lumumba.» Die Szene, wie der ehemalige Kindersoldat und heutige Theatermann aus dem Ostkongo, Yves Ndagano, seine einstige...
Ein typischer Tag im Leben des Schriftstellers sieht so aus: Er stellt sich den Wecker früh und steht dann trotzdem spät auf, danach schreibt er zu wenig und trinkt zu viel. Gegen Abend kommt seine Freundin, auch sie Schriftstellerin, zum Essen. Wechselseitig lesen sie die tagsüber entstandenen Texte. Er schreibt gerade an einem Stück, das von einem Tag im Leben...
Molière spielt Molière. Das ist das «Stegreifspiel in Versailles», in dem Molière 1663 vor Ludwig XIV. sich selbst spielte, wie dieser fiktive Molière einen Komödienautor spielt, der ein Stück geschrieben hat, in dem er seine Schauspielerkollegen karikierend imitiert. Diese Selbstbezüglichkeit ist das Grundprinzip von Frank Castorfs Kölner «Molière»-Projekt: «Ich...
