Böse Bachblüten
Meditieren unter erschwerten Umständen. Dr. Gundula Schwarz hat eine Praxis für ganzheitliche Allgemeinmedizin im, wie sie sagt, «schönen Hietzing», einem Villenvorort von Wien. Schnell erklärt sie noch die Räumlichkeiten (Wandfarbe: rosa), dann geht das Seminar im «Zentrum für spirituelle Weiterentwicklung» für wohlfeile 170 Euro auch schon los. Blöd nur, dass in der kleinen Küche geraucht werden darf. Kalter Zigarettenrauch und der süßliche Geruch von Räucherstäbchen ergeben ein Aroma, das selbst die stabilste Aura ins Wanken bringt.
Die Wiener Autorin, Zeichnerin und Kolumnistin Stefanie Sargnagel hat für «Heil – Eine energetische Reinigung» in der abstrusen Welt der Esoterik recherchiert, sie zeigt, welche erstaunlichen Allianzen es gibt zwischen Chakren-Gläubigen, Energiefeld-Forschenden, Wiedergeburtsfans, Corona-Leugner:innen und rechten Verschwörungsanhänger:innen. Auf der Bühne des kleinen Rabenhof Theaters, das in einem Wiener Gemeindebau untergebracht ist und als lässigste Adresse für Satire in der Stadt gilt, steht der Schamane Harry (Spezialausrichtung: Pongauer Alpenschamanismus), der einen Freund hat, der wegen Wiederbetätigung angezeigt wurde («Wir sind die neuen ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Karin Cerny
Da ist zunächst einmal der Name: Hauser. Natürlich verweist der auf das Nürnberger Findelkind Kaspar. Aber im Gegensatz zu diesem, der des Sprechens nicht mächtig war, brabbelt dieser Typ gleichen Nachnamens permanent vor sich hin. David Hauser führt in Steffen Menschings neuem Roman Selbstgespräche – notgedrungen, denn er ist mutterseelenallein, ausgesetzt wie...
Ein perfektes Dilemma: Kulturelle Appropriation, also die Aneignung von Elementen fremder Kulturen, ist einerseits unverzichtbar, wenn es um einen kulturellen Austausch gehen soll, der sich nicht in den engen Grenzen einer gefühlt eigenen Kultur einmauern will. Denn die Verweigerung jeder kulturellen Appropriation führt geradewegs in den Ethnozentrismus: Jeder...
Spätestens seit Hans-Thies Lehmanns 1999 erschienenem Standardwerk «Postdramatisches Theater» gilt die Postdramatik als prägende Ästhetik auf den deutschsprachigen Bühnen. Bemerkenswert allerdings, dass nie so ganz klar ist, wer im Theater nun eigentlich postdramatisch arbeitet – der Begriff läuft Gefahr, ein Phantom zu werden, das auf so ziemlich jede:n...
