Identität Ost
«MAZ ab!», dieser Spruch aus den Unterhaltungsshows der 1980er und 90er Jahre erschallt immer wieder euphorisch, und stets folgt der gleiche Ablauf: In einem schnell geschnittenen, pointenreichen Trash-TV-Trailer stellt sich eine neue Figur vor. Wichtiges und Unwichtiges, biografische hard Facts und persönliche Skurrilitäten stehen unterschiedslos nebeneinander. Dabei besteht das Spielensemble mit Torben Appel, Sophie Bock, Sigrun Fischer und Markus Paul nur aus vier Schauspielern.
Die Vielzahl an Figuren stammt dabei aus verschiedenen Zeitebenen und Verwandtschaftsverhältnissen, was den Zugang nicht gerade erleichtert. Doch genau um diese personellen Schichtungen durch die Zeit geht es in Lukas Rietzschels Lausitzroman «Raumfahrer», der am Staatstheater Cottbus uraufgeführt wird.
Rietzschel ist 2018 durch die Naziwende-Geschichte «Mit der Faust in die Welt schlagen» bekannt geworden, uraufgeführt am Staatsschauspiel Dresden. Das Schauspiel Leipzig hat «Wider -stand» als Theaterfilm produziert und das Staatstheater Cottbus nun seinen neuen Roman für die Bühne adaptiert. Dass es gerade die Theater im Osten der Republik sind, die sich mit dem Görlitzer Rietzschel auseinandersetzen, ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs
Wir gehen volles Risiko / Heute Nacht wird riesengroß», was da zu Beginn ironisch durch das Burgtheater dröhnt, klingt zwar schwer nach Schlagerkönigin Helene Fischer, ist aber von der Schweizer Konkurrenz Beatrice Egli. Der Song beweist: Man singt zwar gern von Wagnis, setzt aber trotzdem lieber auf bewährte Erfolgsmuster. Ein passender Einstieg für eine...
Sein allererster Auftritt dauert keine Schreckminute: Als der Berliner Unternehmer Arthur Grünberg (Alexander Scheer) nachts in seinem noch nicht eröffneten Kaufhaus Jonass Geräusche hört, erwischt er nicht die drei jungen Eindringlinge, die den Lärm verursacht haben, sondern seinen einstigen Front-Mechaniker Gerd Helbig, der reichlich verwahrlost mit einer Flasche...
Bevor es losgeht, muss ich kurz erklären: Normalerweise halten wir uns in unserer Redaktion an die Regel, dass keine älteren männlichen Kritiker über 20 bis 30 Jahre jüngere Schauspielerinnen schreiben. Paternalistisch wäre das ohnehin, da gibt es kein Entkommen, aber auch die Gefahr, in die Untiefen blümeranterer Anbetungsmetaphorik zu stolpern, ist einfach sehr...
