Mehr Schein als Sein

Bonn Park «Der Phönix aus der Währung» am Theater Basel

Theater heute - Logo

Bonn Park findet «Mash-ups von Genres und Stilen interessant» und inszeniert mit «Der Phönix aus der Währung» am Theater Basel ein pseudofranzösisches Barock-Oper-Komödien-Utopie-Promi-Legendenmärchen. Oder, wie es im Untertitel etwas verkürzt heißt, einen «Finanzthriller mit Musik und Gesang». Am augenfälligsten der Barock. Sina Manthey hat für die Schauspieler opulente Kostüme entworfen, mit Schleifen und Raffröcken und weiten Beinkleidern. Fabian Krüger trägt eine Lockenpracht auf den Schultern spazieren, dass jedem goldglitzerig vor Augen wird.

Das geschwungene Bühnenbild von Julia Nussbaumer wimmelt von Schnörkeln, Säulen, Wandgemälden und Büsten. Der Überschwang feiert fröhliche Urstände, jedenfalls im Schein. Vorne am Rand ein sechsköpfiges Barockorchester inklusive Cembalo und Theorbe, das vor allem den Anfang in eine Oper verwandelt (Komposition Ben Roessler), barockisierte Popsongs inklusive. 

Es spielt in einer hybriden Zeit, irgendwo zwischen Barock, monströsen Handys und Internet. Draußen und drinnen herrscht Krise. Wer hereinkommt, schüttelt häufchenweise Asche vom Sonnenschirm und jammert über die Hitze. Denn wieder einmal ist eine Finanzblase geplatzt, parliert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Valeria Heintges

Weitere Beiträge
Auf Augenhöhe

Zu Beginn winkt man sich zu, ganz entspannt von Kontinent zu Kontinent. Im Garten des Musée Paul Ahyi in Lomé, wo es gerade einen kleinen Regenschauer gab, und in der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele hat sich das Publikum zum gemeinsamen Blick auf ein heikles Thema versammelt. Doch zuerst gibt es zum Aufwärmen ein bisschen Smalltalk über...

Ein Haus namens Patriarchat

Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht das Haus. Allerdings nur auf der portalfüllenden Leinwand vorn an der Rampe, auf der ein Tisch steht, an dem fünf Schauspieler:innen hocken wie Krähen in einer Winterlandschaft. Sivan Ben Yishai hat ihnen einen elegant-fiesen Prolog für den «Nora»-Teil des großen Doppelabends geschrieben, den die Regisseurin Felicitas...

We stand with Ukraine

Tiflis, Ende September 2022. Wüsste man es nicht, man ahnte es kaum: Die Straßen so voll, die Menschen heiter, Musik tönt aus den Cafés und Restaurants an der langen Fressmeile zwischen dem schicken Festivalhotel am Fluss und dem Marjanishvili Theater, dem Zentrum des Georgian Showcase 2022. Es ist Krieg in der Ukraine, die Grenze zum Aggressor Russland ist keine...