Krieg und Ameisen

Armin Petras belebt Wassili Grossmans Roman «Leben und Schicksal» in Bremen

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Als Stalin persönlich ihn anruft, flippt er aus. Zumindest so, wie ein durch und durch rationaler Naturwissenschaftler eben ausflippen kann. Ein Dauerjuckreiz scheint seinen ganzen, verklemmten Körper zu überkommen. Er kratzt und windet sich, biegt sich herrlich unbeholfen in alle Richtungen. Dann stottert er Unverständliches und zuckt wie ein Epileptiker, bevor er sich erst auf’s Sofa, später dann so ungeschickt wie lustgetrieben auf seine Frau Ljudmila (minimalistisch und pointiert: Fania Sorel) fallen lässt.

Alexander Swoboda spielt den ehrgei -zigen Atomphysiker Viktor Strum, eine der zentralen Figuren in Grossmans Roman «Leben und Schicksal», mit stets akkurat frisierter Schmalzlocke, schwarzrunder Forscherbrille, einer Aktentasche zum Festhalten und einer brennenden Leidenschaft für nichts anderes als sein eigenes Fachgebiet. Mit jüdischer Abstammung ist er im Russland im Jahr 1941 nicht wirklich sicher, seine jüdische Mutter bereits im Ghetto. Erst als die Schlacht um Stalingrad geschlagen ist, wendet sich die Politik und für ihn das Blatt. Vom Chef persönlich wird er rehabilitiert, Forschungen im Bereich der Atomphysik sind relevant. Strums «Leben und Schicksal» verändern ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Katrin Ullmann

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