Bodennebel und Baumstümpfe

Das Puppentheater Zwickau blickt durch die VR-Brille auf Goethes «Der Erlkönig»

Theater heute - Logo

Auf den immersiven Effekt des Mediums zielt das Puppentheater Zwickau in seiner digitalen Bearbeitung von Goethes Ballade «Der Erlkönig» eher nicht ab. Aber die Idee, ein Zielpublikum ab 13 Jahren möglichst distanzlos in die fiktionale Welt eines literarisch eindrucksvollen Gruselstücks eintauchen zu lassen, in dem ein Vater ebenso verzwei -felt wie vergeblich um das Leben seines Kindes kämpft, ist als Vermittlungsansatz vielleicht auch wenig geeignet.

Zumal beim Puppentheater bereits genrespezifisch die Illusionskraft der Bühne ständig von der recht prosaischen Erkenntnis unterlaufen wird, dass hier Menschen Figuren und Objekte bewegen. 

Dass das Puppentheater Zwickau nun deutsche Balladen in «360° Virtual Puppetry» übersetzt und überregional per Post verschicken kann, ist zum einen der Corona-bedingten Vorstellungs-Zwangspause geschuldet, zum anderen den dadurch zusätzlich bereitgestellten Fördermitteln, wie beispielsweise dem «dive in – Programm für digitale Interaktionen» der Kulturstiftung des Bundes. In Form einer VR-Brille wird Theater also als Privatvorstellung im Wohnzimmer heimisch, wobei sich die zur Handhabung notwendigen technischen oder digitalen Voraussetzungen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Grammgenaue Details

«Drogenabhängige sind die besten Schauspieler. Das sagen dir alle. Die spielen dir vor, was du willst», heißt es relativ am Anfang des Stücks. Und dann stehen da drei Schau -spieler:innen, Jenny Weichert, Gerd Zinck und Paul Trempnau, und spielen Drogenabhängige. Nein. Anders. Sie diskutieren darüber, distanzieren sich bewusst vom Spiel, streiten über Egoismus und...

Die Frage, wie es gesagt wird

Beim Heidelberger Stückemarkt kann es passieren, dass ein Autor zum ersten Mal sein Werk gesprochen hört. Philipp Gärtner ist es so ergangen, und als er nach der 40-minütigen Lesung aus seinem Drama «Olm» zum Nachgespräch auf die Bühne kam, sagte er: «Ich glaube, ich bin da hart an der Grenze der Verständlichkeit, vielleicht sollte ich noch mal ausmisten …?»...

Krieg der Worte

Will ein Theater heute Stücke zum Thema Krieg auf den Spielplan setzen, bieten sich zwei Dramen ganz besonders an. Einerseits die antike Tragödie «Die Troerinnen», in der Euripides nicht die siegreichen Helden des Trojanischen Kriegs, sondern die Frauen der Besiegten sprechen lässt. Andererseits, aus der jüngeren Vergangenheit, «Reich des Todes», in dem Rainald...