Blick zurück auf jetzt
Wann hat das eigentlich angefangen, dass aus der Zukunft als Verheißung oder zumindest offen gestaltbarem Raum ein zunehmend unaufhaltsam heranrollender Alptraum geworden ist? Und aus der Gegenwart mit all ihren Krisen und Verlockungen vor allem die Voraussetzung dafür? Mittlerweile stecken wir so tief drin in der Erwartung, dass alles nur noch schlimmer werden kann, dass aus der Suche nach dem Anfang der Spirale, den ersten gefallenen Maschen, die das Muster nun so nachhaltig stören, so etwas wie ein makabrer Zeitvertreib mit sarkastischem Unterhaltungswert geworden ist.
Ein Genre, dem Thomas Köck und Jan-Christoph Gockel gerade wieder einmal zu einem untergangsrauschhaften Höhepunkt verholfen haben.
Der vielfach ausgezeichnete österreichische Autor, unter anderem zweimaliger Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises, ist einer, der das dystopische Denken in musikalisch komponierten Sprachströmen und über Epochengrenzen hinaus zur Meisterschaft entwickelt hat. Auch jetzt in seinem neuen Auftragswerk «Eure Paläste sind leer (all we ever wanted)» für die Münchner Kammerspiele lässt er keinen Zweifel daran, dass wir schon bald selbst zu den Gespenstern der Vergangenheit zu rechnen ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen
Irgendwann landet Marianne, eines der vielen «süßen Wiener Mädels» des abgründigen österreichisch-ungarischen Dramatikers Ödön von Horváth, die keinen Platz im Leben finden, nackt als Tableau vivant in einem Varieté. Meist wird das eindeutig erotisch gedeutet. Johan Simons und sein Ensemble legen diese Szene aus «Geschichten aus dem Wiener Wald» im Burgtheater...
Zwei junge Menschen tippen auf ihren Handys rum. Hochkonzentriert. Mehr passiert in «Pleasant Island» nicht. Doch aus diesem radikal minimalistischen Ansatz entwickelt sich ein genresprengender Theaterabend, der irgendwo zwischen Reportage, Theater-Feature und Multimediakunst seinen Platz sucht – und auf der Euro-Scene in Leipzig einen gefunden hat. Es ist eines...
Nostalgie hat Konjunktur, gerade in rechten Kreisen. Die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit, als die Verhältnisse noch übersichtlicher, die Familien intakt, die Ordnung stabil, die Identitätspolitik noch unbekannt, Gendern kein Thema und die Kommata noch da gesetzt wurden, wo sie vor 100 Jahren gesetzt wurden, zieht sich durch alle Schichten und...
