Blick zurück auf jetzt

Die Münchner Kammerspiele präsentieren Uraufführungen von Thomas Köck in der Regie von Jan-Christoph Gockel und von Nora Abdel-Maksoud, inszeniert von ihr selbst

Wann hat das eigentlich angefangen, dass aus der Zukunft als Verheißung oder zumindest offen gestaltbarem Raum ein zunehmend unaufhaltsam heranrollender Alptraum geworden ist? Und aus der Gegenwart mit all ihren Krisen und Verlockungen vor allem die Voraussetzung dafür? Mittlerweile stecken wir so tief drin in der Erwartung, dass alles nur noch schlimmer werden kann, dass aus der Suche nach dem Anfang der Spirale, den ersten gefallenen Maschen, die das Muster nun so nachhaltig stören, so etwas wie ein makabrer Zeitvertreib mit sarkastischem Unterhaltungswert geworden ist.

Ein Genre, dem Thomas Köck und Jan-Christoph Gockel gerade wieder einmal zu einem untergangsrauschhaften Höhepunkt verholfen haben.

Der vielfach ausgezeichnete österreichische Autor, unter anderem zweimaliger Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises, ist einer, der das dystopische Denken in musikalisch komponierten Sprachströmen und über Epochengrenzen hinaus zur Meisterschaft entwickelt hat. Auch jetzt in seinem neuen Auftragswerk «Eure Paläste sind leer (all we ever wanted)» für die Münchner Kammerspiele lässt er keinen Zweifel daran, dass wir schon bald selbst zu den Gespenstern der Vergangenheit zu rechnen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Nachklänge des Erlebens

In seiner «Hamburgischen Dramaturgie» schreibt Lessing: «Madame Henseln starb ungemein anständig; in der malerischen Stellung; und besonders hat mich ein Zug außerordentlich überrascht. Es ist eine Bemerkung an Sterbenden, dass sie mit den Fingern an ihren Kleidern oder Bette zu zupfen anfangen. Diese Bemerkung machte sie sich auf die glücklichste Art zu Nutze. In...

Alte Meister

«Ich bin so wenig Schauspieler, wie Sie Journalist sind», sagt Lars Eidinger, und was hier gedanklich hübsch verdreht daherkommt, ist tatsächlich die Grundprämisse, mit der Eidinger die Hamburger Kunsthalle bespielt. Als Fotograf und Videokünstler, nicht als Theater-, Film- und Fernsehstar. «Ich fotografiere schon mein gesamtes Leben, seit 1982 beschäftige ich mich...

Machen Sie was draus!

«Mehr Fortschritt wagen» steht als Überschrift über dem Koalitionsvertrag. Was für eine Ansage! Auch nach den recht vollmundigen Maßstäben politischen Marketings ist der Bezug auf Willy Brandt («Mehr Demokratie wagen») und das Versprechen einer besseren Zukunft ein mutiger Aufschlag. Vorbei mit den Merkelschen Ausweglosigkeiten aus vermeintlicher...