Blick zurück auf jetzt
Wann hat das eigentlich angefangen, dass aus der Zukunft als Verheißung oder zumindest offen gestaltbarem Raum ein zunehmend unaufhaltsam heranrollender Alptraum geworden ist? Und aus der Gegenwart mit all ihren Krisen und Verlockungen vor allem die Voraussetzung dafür? Mittlerweile stecken wir so tief drin in der Erwartung, dass alles nur noch schlimmer werden kann, dass aus der Suche nach dem Anfang der Spirale, den ersten gefallenen Maschen, die das Muster nun so nachhaltig stören, so etwas wie ein makabrer Zeitvertreib mit sarkastischem Unterhaltungswert geworden ist.
Ein Genre, dem Thomas Köck und Jan-Christoph Gockel gerade wieder einmal zu einem untergangsrauschhaften Höhepunkt verholfen haben.
Der vielfach ausgezeichnete österreichische Autor, unter anderem zweimaliger Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises, ist einer, der das dystopische Denken in musikalisch komponierten Sprachströmen und über Epochengrenzen hinaus zur Meisterschaft entwickelt hat. Auch jetzt in seinem neuen Auftragswerk «Eure Paläste sind leer (all we ever wanted)» für die Münchner Kammerspiele lässt er keinen Zweifel daran, dass wir schon bald selbst zu den Gespenstern der Vergangenheit zu rechnen ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen
6./DONNERSTAG 20.15, arte: Feuchtgebiete
Spielfilm (Deutschland 2013) nach dem Buch von Charlotte Roche von David F. Wnendt, mit Carla Juri, Axel Milberg, Meret Becker, Christoph Letkowski u.a.
15./SAMSTAG 20.15, ORF: König Ottokars Glück und Ende
Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer, Wiener Burgtheater, März 2006. Inszenierung von Martin Kusej, mit...
James Bond ist schon mal der elegantere Agent. Und der effektivere. Adolf Verloc in Joseph Conrads 1907 erschienenem Roman «Der Geheimagent: eine einfache Geschichte» ist dagegen ein Mitläufer, der im Jahrhundertwende-London ein bisschen in anarchistische und linke Zirkel reinschnuppert. Ein Spitzel, der der Polizei Tipps über die Umtriebe in diesen Zirkeln gibt....
Schon der erste Moment ist auf gute Weise irritierend. Während man in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin normalerweise auf der Tribüne Platz nimmt, sitzt man bei Jossi Wieler, der Jon Fosses neues Theaterstück «Starker Wind» inszeniert, auf der Spielfläche. Doch das begreift man erst so richtig, als sich der Vorhang lüftet und statt der Bühne der leere...
