Berlin/Potsdam Deutsches Theater/Hans Otto Theater: Masken der Macht
Wenn Königin Elisabeth von England ihre Lage zusammenfasst – Akt IV, 10. Auftritt –, stülpt sich Julia Windischbauer im Deutschen Theater Berlin einen großen Pappmaché-Nachbau ihres Kopfes über und ringt mit beiden Armen. Alle Mächte Europas sind gegen sie, ihre Herrschaft ist nur auf wackeliger «Volksgunst» gebaut, und dann wäre da auch noch diese Maria Stuart, die ihren legitimen Thronanspruch in Frage stellt.
Und noch während Elisabeth/Windischbauer da steht wie eine jämmerliche Puppe ihrer selbst, unterschreibt sie schnell das Todesurteil über die Konkurrentin: «Ihr Haupt soll fallen, ich will Frieden haben.»
Selten hat der freiheitsbegeisterte Schiller das Dilemma selbst der Königsfreiheit schärfer eingegrenzt: «O der ist noch nicht König, der der Welt / Gefallen muss!» Regisseurin Anne Lenk zieht die Grenzen der Freiheit sogar noch ein bisschen enger. Gemeinsam mit Bühnenbildnerin Judith Oswald werden die Figuren des Stücks über- und nebeneinander in blutrote Kästchen gesperrt und gestapelt, ein symmetrisch arrangiertes, an der Rampe aufragendes Tetrisfeld der Macht mit unterschiedlich großen Bausteinen. In der Mitte das königliche Doppelkästchen für Elisabeth, darunter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2021
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Franz Wille
Sie seien privilegiert, merken Lisa Jopt und Nicola Bramkamp gleich in ihrer Eröffnungsrede zu «Burning Issues meets Kampnagel» an, sie als weiße cis-Frauen. Also fassen sie sich kurz, denn schließlich bedeute Redezeit Sichtbarkeit. Und so treten die Veranstalterinnen Jopt und Bramkamp nach einem prägnanten, aber herzlichen Willkommen rasch zur Seite und öffnen die...
Mit einem Streifzug der Narrationen startet Antú Romero Nunes in die erste Spielzeit unter der Intendanz von Benedikt von Peter und mit einer vierköpfigen Schauspielleitung, zu der neben Nunes die Dramaturginnen Inga Schonlau und Anja Dirks sowie der Schauspieler Jörg Pohl zählen. Vor allem Ovids «Metamorphosen» üben wohl Anziehungskraft auf ein Theater aus, das...
1. SZENE
Erster Mann. Zweiter Mann. Dritter Mann. – Erster und Zweiter Mann sind außer Atem.
Erster Mann Der verdammte Fucker! Der verdammte Scheißkerl! Der verdammte Scheißfucker!
Zweiter Mann Das ist deine Schuld, du Arschloch! Das ist ganz allein deine Schuld, du Scheißarschloch!
Dritter Mann Sagt mir, was passiert ist. Ich will wissen, was passiert ist! Ihr...
