Bei Hitlers im Schlafzimmer
Noch bevor alle Zuschauer:innen ihre Plätze eingenommen haben, wird die vierte Wand durchbrochen. Und zwar vom Kamerakran, der weit in den Saal des Hamburger Schauspielhauses hineinfährt und dem Publikum so direkt auf die Pelle rückt. Auge in Kameraauge steht man sich da gegenüber, und das penetrant vor einem filmende Gerät erinnert dabei an das Monster, das im Horrorfilm «Alien» Sigourney Weaver ins Gesicht haucht: böse, bedrohlich, unangenehm.
Der Einstieg ist ein erster Hinweis darauf, was einen bei «A&E» erwartet, einer performativen Installation, die der US-Künstler Paul McCarthy und die Berliner Extremschauspielerin Lilith Stangenberg noch vor der offiziellen Saisoneröffnung in Hamburg realisiert haben: eine eng an der Ästhetik des Films gebaute Arbeit, die die am Deutschen Schauspielhaus ohnehin gepflegte Videobegeisterung noch einmal auf ein neues Level hebt. Was auf der Bühne passiert, wird mittels mehrerer Kameras (neben dem erwähnten Kran kommen auch noch eine Steadicam und eine stationäre Kamera zum Einsatz) direkt auf zwei Bildschirme übertragen, und wie Künstlersohn Damon McCarthy (Video-Regie) und Eric Treml (Director of Photography) das organisieren, das ist große ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
Er ging meist auf weichen Sohlen, erinnerte, auch mit seinen listig klugen Augen, an eine weise, leise Katze. Aber Katzen sind zugleich Raubtiere. Dieser sanft wirkende, eher kleinwüchsige Mann, der, als er schon weltberühmt war, am liebsten in Jeans oder legeren Leinenhosen und mit offenem Hemd erschien, er brauchte keinen Auftritt, um einfach da zu sein. Und war...
Tausend Äxte, die an Seilen vom Bühnenhimmel herabbaumeln, ein monströs großes Kruzifix, ein endlos langer Putin-Tisch, auf dem ein Spielzeugpanzer seine Runde dreht: Es sind eindrucksvolle Bilder, die Oliver Frljic gemeinsam mit Igor Pauška (Bühne) und Maja Mirkovic (Kostüme) für seine Adaption des Dostojewski-Romans «Schuld und Sühne» ausbaldowert hat. Die Frage...
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