Der konkrete Möglichkeitssinn

Zum Tod des Regisseurs, hessischen Theaterakademiegründers und Basler Intendanten Hans Hollmann (1933–2022)

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Am 26. Juni starb in Basel der Theater- und Opernregisseur Hans Hollmann, dessen wesentlichster Charakterzug Neugierde war, das Beobachten von Menschen und das Interesse für die Magie der Sprache, «die ausgestellt werden muss, nicht etwa erlebt werden darf». Wenn er auch in den Jahren 1960 bis 1990 rastlos an fast allen deutschsprachigen Bühnen inszenierte, machte er kein Stadttheater, sondern konfrontierte das Publikum mit gegenwartsnah interpretierten Klassikern und vielen zeitgenössischen Autoren, besonders mit Peter Handke, Elfriede Jelinek und Rainald Goetz.

 

Hans Hollmann, 1933 als Sohn eines Musikpädagogen in Graz geboren, fühlte sich zum Dirigenten berufen, entschied sich nach dem Abitur aber für ein Jurastudium, um sein Leben mit «Wirklichkeitssinn» auszustatten, damit der «Möglichkeitssinn», nach dem er zu leben trachtete, sich besser entfalten würde. Schließlich war der Autor des Romans «Der Mann ohne Eigenschaften» auch ein Grazer von Geburt. «Wer Möglichkeitssinn besitzt », heißt es in Musils Roman, «sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehen; und wenn man ...

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Theater heute 10 2022
Rubrik: Sommer der Verluste, Seite 30
von Klaus Völker

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