Thomas Arzt; Foto: picture alliance/dpa
Bedrohung als Normalzustand
Armin Stummer hat ein Problem. Er scheint terroristische Anschläge regelrecht anzuziehen. Oder auszulösen. Oder ist alles nur ein perfider Zufall? So genau weiß er das selber nicht. Jedenfalls war er im November 2015 in Paris, hat für eine Veranstaltung die Technik aufgebaut, dann in einer Bar ein paar Bier getrunken, als die ersten Schüsse fielen. Geschockt von der Brutalität, war er später nur noch froh, dass es ihn nicht selbst getroffen hatte. Also: weiterarbeiten. Im Juni 2016 in Istanbul wird er Zeuge eines Massakers. Armin Stummer richtet sich wieder auf.
Weiterarbeiten! Mit der Firma hat er im Juli 2016 in Südfrankreich zu tun. «Wir waren auf einem Schiff. Einige hundert Gäste an Bord. Eine Party-Tour zum Nationalfeiertag. Auf Höhe Nizza fielen die Motoren aus. Dass da grad ein LKW Menschen überrollt, hat keiner mitgekriegt.» 2016 zu Weihnachten arbeitet er in Berlin. Und schon wieder: Am schlimmsten Tag des Jahres, als erneut zur Gewissheit wird, dass Zivilisation und Barbarei zwei Seiten einer Medaille sind und es keine angemessenen Worte im Augenblick des Unfassbaren gibt, ist Armin hautnah dabei. Die Polizei vernimmt ihn. Es ist daher bloß noch eine Frage der Zeit, bis ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Jürgen Poping und Holger Schultze
In Hans-Christian Andersens Märchen «Der Schatten» geht dieser seinem Herrn verloren und macht sich selbständig. Zu Beginn heiter skurril, endet die Geschichte denkbar düster. Der Doppelgänger gewinnt an Realität und Macht und wird zum Mörder seines ehemaligen Herrn. Ein Alptraum nach Kafkas Art. Der Verlust der eigenen Identität, Entfremdung, kollektive...
Ich hatte mich den ganzen Abend einem Stapel von damals noch unübersetzten britischen Stücken gewidmet und mich im Zuge dessen schon durch zwei oder drei nicht wirklich gute, aber auch nicht wirklich schlechte Werke durchgekämpft. Kurz nach Mitternacht beschloss ich das letzte Stück, «Konsens» von Nina Raine, trotz der fortgeschrittenen Stunde noch in Angriff zu...
Offenbar ist es so gut wie aussichtslos, Michael Wächter in einer Denkpause zu erwischen. Der Mann, seit Herbst 2015 Ensemblemitglied am Theater Basel, weiß einfach auf alles eine Antwort, zumindest einem dahergelaufenen Journalisten gegenüber. Das Angenehme daran ist, dass diese Antworten aus lauter sonnenklaren Sätzen bestehen, aus wachen Bemerkungen, spontanen...
