Noah Haidle; Foto: Susanne Schleyer

Mission impossible

Noah Haidle: «Für immer schön»

Theater heute - Logo

Schönheit gilt als universelles Glücksversprechen für ein gutes Leben. Wer schön ist, hat mehr Chancen in der Liebe, ist erfolgreicher im Beruf und genießt ein höheres Sozialprestige. Dabei ist es gar nicht leicht, «so schön zu sein, wie man aussieht», wie Hollywood-Ikone Sharon Stone bekennt. Wer seinen Körper als Kapital betrachtet, muss auch an ihm arbeiten.

Schönheitswahn und Körperkult sind nach Peter Sloterdijk heute an die Stelle der alten Religionsrichtungen getreten, die Selbstoptimierung zur «Diesseitsreligion» unseres postmodernen Daseins geworden.

Cookie, eine Frau in den besten Jahren, arbeitet als Handelsvertreterin für Kosmetik auf den Vorortstraßen von Grand Rapids, einer Allerweltsstadt im mittleren Westen – dort, wo alle Stücke des amerikanischen Dramatikers Noah Haidle spielen. Seit Jahrzehnten putzt sie im Bu­sinesskostüm mit perfektem Lächeln und Rollköfferchen mit eingebauter Minibar die Klinken. Captain Cookie, wie sie sich nennt, ist eine Legende. Früher waren ihre Verkaufszahlen phänomenal. Jetzt schmerzen die Füße. Das Blut sammelt sich in den Schuhen, und der Bibelvers, den ihr ihre Mutter auf die Sohlen geschrieben hat, ist verblichen. Cookie ist eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 164
von Ingoh Brux

Weitere Beiträge
Der Urfarn mit all seinen Konsequenzen

EINS    was die nicht verstehen
           und in dieser sache unsren eltern
           ähneln
           ist der unterschied zwischen ihnen
           die von irgendwo gekommen sind
           und uns
           die von nirgends anders her kommen
VIER    es liegt auf der hand
           es ist so klar
           dass wir bloß gerade so
           sehr knapp
           an...

Falk Richter: Ein Teil einer Insel

Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder...

Leer sein, frei sein

Offenbar ist es so gut wie aussichtslos, Michael Wächter in einer Denkpause zu erwischen. Der Mann, seit Herbst 2015 Ensemblemitglied am Theater Basel, weiß einfach auf alles eine Antwort, zumindest einem dahergelaufenen Journalisten gegenüber. Das Angenehme daran ist, dass diese Antworten aus lauter sonnenklaren Sätzen bestehen, aus wachen Bemerkungen, spontanen...