Basel: Paffen, blaffen, bluffen

nach Robert Walser «Der Gehülfe»

Angeführt von einem Stumpen, zuckelt der Tobler-Clan über die Bühne und saugt gierig die ersten Eindrücke auf, die der neue Gehilfe des Hauses verströmt. Der Stumpen steckt zwischen den Zähnen des Patrons – Carl Tobler, Erfindungen aller möglichen sowie unmöglichen Art; der Neuankömmling Joseph Marti steckt im schwarzen Anzug, eine unglückliche, aufgrund prekärer Verhältnisse allerdings alternativlose Wahl, die den bleichen Jüngling umso farbloser aussehen lässt. Wer in dieser Eingangsszene eine Unterwerfung auf Probe sieht, liegt zweifelsfrei richtig.

Das Familienunternehmen der Toblers ist seit der ersten Erwähnung in Robert Walsers Roman «Der Gehülfe» anno 1907 offenkundig umgezogen. Heute bewohnt man, wenn man als erfolg- und neureich gelten will, einen blendend leeren White Cube, in dem alles möglich scheint. Oder auch nichts. Jedenfalls übt dieser Unort, so will es die Dramatisierung des Romans am Theater Basel, auf den ehedem stellenlosen Marti narkotischen Glanz aus. Die Marotten der Toblers übersieht er willig, obgleich es sich um Schaustellerei der platten Sorte handelt: Outfits wie aus dem Kostümverleih, dazu ein dekorativer Schwan als Kutschgefährt, der eine graue ...

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Theater heute April 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Stephan Reuter