Basel: Paffen, blaffen, bluffen
Angeführt von einem Stumpen, zuckelt der Tobler-Clan über die Bühne und saugt gierig die ersten Eindrücke auf, die der neue Gehilfe des Hauses verströmt. Der Stumpen steckt zwischen den Zähnen des Patrons – Carl Tobler, Erfindungen aller möglichen sowie unmöglichen Art; der Neuankömmling Joseph Marti steckt im schwarzen Anzug, eine unglückliche, aufgrund prekärer Verhältnisse allerdings alternativlose Wahl, die den bleichen Jüngling umso farbloser aussehen lässt. Wer in dieser Eingangsszene eine Unterwerfung auf Probe sieht, liegt zweifelsfrei richtig.
Das Familienunternehmen der Toblers ist seit der ersten Erwähnung in Robert Walsers Roman «Der Gehülfe» anno 1907 offenkundig umgezogen. Heute bewohnt man, wenn man als erfolg- und neureich gelten will, einen blendend leeren White Cube, in dem alles möglich scheint. Oder auch nichts. Jedenfalls übt dieser Unort, so will es die Dramatisierung des Romans am Theater Basel, auf den ehedem stellenlosen Marti narkotischen Glanz aus. Die Marotten der Toblers übersieht er willig, obgleich es sich um Schaustellerei der platten Sorte handelt: Outfits wie aus dem Kostümverleih, dazu ein dekorativer Schwan als Kutschgefährt, der eine graue ...
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Emulie weiß nicht so recht, wie ihr geschieht. Die Zehnjährige ist Gast einer schrecklich netten Familie, deren Papa so Sachen sagt wie: «Ich habe den Obdachlosen im Fernsehen brennen sehen, ein paar Ausländer haben ihn angezündet. Ich hoffe, sie waren gut integriert.» Und die Gastmama lächelt die Ängste ihres Gastkindes derart gefühllos weg, dass man sie sich auch...
Bevor man den Theatersaal betritt, wird man erst einmal von einer Art Stewardess mit einem Detektor abgetastet. Es piepst. Später ertönt ein schriller Dauerwarnton, und alle Zuschauer müssen geordnet in Gruppen den Raum verlassen und stehen draußen herum. Auf den Dächern ringsum vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen. Es ist kalt. Am Ende ist der Mann mit der...
Mit Volker gab es keine Proben. Statt zu proben kam Volker mit dem Taxi zu mir nach Weißensee, wir haben ohne viel zu reden Opernfilme gekuckt: Jean Pierre Ponelle, Otto Schenk, Karajan und unsere Lieblingstenöre gehört. Max Lorenz, der schwule Wagnerheld, war der genialste. Volker hatte ihn in Wien persönlich kennengelernt, als er dort am Max-Reinhard-Seminar...
