Energie für Gemeinschaftlichkeit
Theater heute Theater der Welt wurde 1979 vom Internationalen Theaterinstitut als «Theater der Nationen» in Hamburg gegründet und hieß ab 1981 in Köln «Theater der Welt». Damals ging es um die dringend nötige Internationalisierung eines sehr selbstzentrierten deutschen Literaturtheaterbetriebs, und das Festival war eine Art Vorreiter. Später wurde es dann ein großes internationales Festival unter anderen internationalen Festivals mit wechselnden thematischen oder formalen Schwerpunkten, um sich abzuheben; mal gelang das besser, mal weniger gut.
2020 kommt Theater der Welt in der zweiten Maihälfte nach Düsseldorf. Was ist daran besonders?
Wilfried Schulz Natürlich leben wir in einer sehr viel vernetzteren Welt, als die Gründer Ivan Nagel und Renate Klett sich das Anfang der 1980er Jahre vorstellen konnten. Trotzdem denke ich, dass im Theater internationale Kontexte nach wie vor nicht selbstverständlich sind. Und was die Zuschauerperspektive angeht, ist es noch komplizierter. Das «normale Publikum» – in Anführungszeichen! – ist es noch weniger selbstverständlich gewohnt, internationale Zusammenhänge wahrzunehmen. Vor allem im Schauspiel, sicher mehr im Tanz. Noch vor wenigen Jahren ...
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Hamlet ist in die Jahre gekommen. Im Frotteebademantel schlurft Branko Samarovski, 80, ein Urgestein des Burgtheaters, durch ein rotes Portal, das an eine Kasperlbühne erinnert, und flüstert den Anfang von Heiner Müllers berühmter «Hamletmaschine» (1977): «Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA.» Es ist ein zarter, leiser Anfang...
Sollte Ihnen der österreichische Politiker Hans Kudlich (1823–1917) kein Begriff sein, ist das keine Schande. Der Mann, nach dem in Wien noch zu Lebzeiten eine Gasse benannt wurde, ist auch in seiner Heimat in Vergessenheit geraten. Trotzdem hat Thomas Köck die historische Figur jetzt schon zum zweiten Mal zum Titelhelden eines Stücks gemacht. Kudlich war jüngster...
Vier Jahre nach der großen Flüchtlingsankunft ein großes Flüchtlingsstück zu inszenieren, grenzt an Wagemut. Seitdem die europäische Abschottungspolitik effizient und erbarmungslos geworden ist, hören wir auf Bühnen kaum noch davon, auserzählt und abgestumpft wirken die theatralischen Empathie-Bekundungen von 2015. Wenn sich Altmeister Roberto Ciulli in «Boat...
