Basel: Im hohlen Kreuz

Schiller «Wilhelm Tell»

Theater heute - Logo

Blutverschmiert hangelt sich Baumgarten aus der Tiefe eines Schweizerkreuzes. Häscher sind ihm auf den Fersen, weil er Haus und Weib gegen einen schändlichen Burgherrn verteidigt hat. Das Schweizerkreuz ist in eine dunkle Bretter­steilwand eingelassen, die Bühnenbildner Olaf Altmann für Schillers «Wilhelm Tell» auf die Basler Große Bühne zimmern ließ. Durch dieses hohle Kreuz müssen alle kriechen, die sich Freiheit ertrotzen wollen. Freiheit von Reichsvogt Gessler, Freiheit vom Habsburgerjoch.

Seerettung in diesem Bühnenbild ist schwierig, also zerrt Bruno Cathomas als Tell Thomas Reisingers Baumgarten kurzerhand gebückt durch eine Seitengasse des Schweizerkreuzes in windigen Nebel hinein, in Sicherheit. Wir befinden uns auf Heldenstufe eins: Notwehr und Nachbarschaftshilfe. Ansonsten lässt der Tell die Schweizer wissen: Lasst mich mit euren politischen Versammlungen in Frieden. Er sei ein Mann der Tat, kein Mann für den Rat.

Dennoch gärt es allenthalben. Wolfgang Preg­lers Stauffacherin unterm Haubenkamm träufelt dem unschlüssigen Gatten Werner (Robert Dölle) verschwörerisches Gedankengut ein. Und Stauffacher sammelt Verbündete: den Walther Fürst in seinem bäurisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Olga Bach: Die Vernichtung

Personen

Julia
Jan
Tobias

Ein Hund
Ein Kellner
Ein Fremder
Ein Psychologe
Ein Kollege
Ein Dealer


Die Namen entsprechen den beliebtesten Mädchen- und Jungennamen aller 1990 in Deutschland Geborenen.
Die sechs Personen, die nicht zur Gruppe gehören, werden von demselben Schauspieler gespielt.


Tobias Wisst ihr eigentlich, dass wir uns heute vor einem Jahr das erste Mal gesehen...

Querfronten, Zaubergesten und rasende Rituale

Auch nach hundert Jahren läuft Tschechows dramatische Familienlimousine «Drei Schwestern» noch einwandfrei auf vielen Bühnen. Trotzdem zeigt Simon Stone, dass es nicht schadet, das Dialogmaterial generalzuüber­holen oder auch gleich gänzlich auszutauschen – bei gleichzeitiger Erhaltung der Karosserie. So kommt es auf der Bühne des Basler Theaters zu kleinen...

Zurück zur Unschuld

Es ist ja eigentlich nicht die Zeit der Chöre. Das Marschieren im Gleichschritt, das gemeinsame Intonieren, das Skandieren der Parolen sind uns fremd geworden. Pegida-Trupps auf Marktplätzen oder Ultras im Fußballstadion haben eigentlich den Touch des Fossilen. Das Gros der politischen Demonstrationen ist ein heterogenes Get-together von pragmatisch gestimmten...