Authentisch reales Rührei
Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne Sierens, der aus der Freien Szene kommt, nennt seine Spielvorlagen «physical scores», Körperpartituren, und dieser Philosophie zufolge ist nicht der Text wichtig, sondern allein seine physische Umsetzung auf der Bühne.
Sympathisch sind auch die Figuren mit ihren flagranten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen, die zänkischen Geschwister Alex und Patricia, denen das Lokal gehört, der Koch Benito mit seinem pseudo-italienischen Akzent, der sentimentale Taxifahrer Willy und die Nachteulen Gaetan und Evelyne. Benito brät authentisch duftende Rühreier, Patricia möchte zu den Niagarafällen und probiert schon mal den Bikini an, Alex besucht auf dem Motorrad seinen Vater in Spanien, weil er das Lokal erben will, die coole Evelyne mit der Sonnenbrille möchte ihren verschwundenen Liebhaber wiederhaben oder sich mit dem Chauffeur ...
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Die Cinemascope-Kiste steht wie ein zu groß geratenes, dummerweise aber leeres Weihnachtsgeschenk auf der Bühne. Das passt insofern, als die Spielzeit sich bereits der Halbzeit und das Theater jener Form der Entspannung nähert, die sich immer dann einstellt, wenn der Betrieb zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt auf Hochtouren läuft. Betrachtet man es so, könnte...
Zum ersten Mal begegnete ich Palitzsch bei der ersten Probe zur ersten Aufführung des Berliner Ensembles im Zuschauerraum des Deutschen Theaters in der Schumannstraße.
Wir hatten da eigentlich beide nichts zu suchen. Palitzsch war der Dramaturg des Ensembles, und ich ein junger Schauspieler, der keine Rolle im «Puntila» hatte. Aber da uns keiner wegschickte,...
Peter Palitzsch, gestorben mit 86 Jahren, war auf eine entschlossen bescheidene Weise nur er selbst; und dennoch verkörperte sich in ihm die Idee eines bedeutenden, ernsten deutschen Theaters. Das wäre ein Theater, das sich selbst ernst nimmt – noch ernster aber die Anderen: das Publikum eines Abends, die Bewohner einer Stadt, die Bürger unseres Landes und, ja, die...
