Authentisch reales Rührei
Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne Sierens, der aus der Freien Szene kommt, nennt seine Spielvorlagen «physical scores», Körperpartituren, und dieser Philosophie zufolge ist nicht der Text wichtig, sondern allein seine physische Umsetzung auf der Bühne.
Sympathisch sind auch die Figuren mit ihren flagranten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen, die zänkischen Geschwister Alex und Patricia, denen das Lokal gehört, der Koch Benito mit seinem pseudo-italienischen Akzent, der sentimentale Taxifahrer Willy und die Nachteulen Gaetan und Evelyne. Benito brät authentisch duftende Rühreier, Patricia möchte zu den Niagarafällen und probiert schon mal den Bikini an, Alex besucht auf dem Motorrad seinen Vater in Spanien, weil er das Lokal erben will, die coole Evelyne mit der Sonnenbrille möchte ihren verschwundenen Liebhaber wiederhaben oder sich mit dem Chauffeur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Narzissmus ist eine Zeitkrankheit. Keine individualpsychologische Charakterstörung, sondern eine soziologische Diagnose. Ökonomisch verbrämt als «Selbstmanagement», philosophisch kaschiert als «Selbstsorge» oder «Freundschaft mit sich selbst» wird von allen Seiten die Steigerung der Konzentration auf sich selbst gefordert. Jede Situation, in die wir geraten, jede...
Amerika eignet sich derzeit im Theater für die eigene Standortbestimmung besonders gut. Cowboyhüte und der Wilde Westen haben Hochkonjunktur auf deutschen Bühnen und taugen vorzüglich, um individuelle wie gesellschaftliche Befindlichkeiten kurz zusammenzufassen.
Auch Ralph Hammerthaler siedelt sein Auftragswerk, eine Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem...
Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...
