Authentisch reales Rührei
Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne Sierens, der aus der Freien Szene kommt, nennt seine Spielvorlagen «physical scores», Körperpartituren, und dieser Philosophie zufolge ist nicht der Text wichtig, sondern allein seine physische Umsetzung auf der Bühne.
Sympathisch sind auch die Figuren mit ihren flagranten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen, die zänkischen Geschwister Alex und Patricia, denen das Lokal gehört, der Koch Benito mit seinem pseudo-italienischen Akzent, der sentimentale Taxifahrer Willy und die Nachteulen Gaetan und Evelyne. Benito brät authentisch duftende Rühreier, Patricia möchte zu den Niagarafällen und probiert schon mal den Bikini an, Alex besucht auf dem Motorrad seinen Vater in Spanien, weil er das Lokal erben will, die coole Evelyne mit der Sonnenbrille möchte ihren verschwundenen Liebhaber wiederhaben oder sich mit dem Chauffeur ...
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Im großen Pulk der deutschen Fernsehkommissarinnen ist Eva Mattes als Klara Blum von der Kripo Konschtanz von allem weniger: weniger matronenhaft als Hannelore Hoger alias Bella Block, weniger Nachtfalter-flatterhaft als Hannelore Elsner alias Lea Sommer, weniger rundum überkandidelt als Corinna Harfouch alias Eva Blond und weniger postoperativ maskenhaft als Iris...
Thomas Bernhard und Nürnberg – damit könnte man es sich sehr einfach machen: «… wie dieser schreckliche Ur- und Vor-Nazi Dürer», heißt es an einer Stelle in den «Alten Meistern», «der die Natur an die Leinwand gestellt und getötet hat, dieser schauerliche Dürer, wie Reger sehr oft sagt, weil er Dürer tatsächlich zutiefst hasst, diesen Nürnberger Ziselierkünstler.»
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Ob es eine Ehrenbezeugung vor Luigi Pirandellos Studenten- und Promotionsjahren in Bonn sein sollte, die David Mouchtar-Samorai veranlasste, das bei uns kaum bekannte Stück des späteren italienischen Nobelpreisträgers von 1919 aufzuführen? «Der Mensch, das Tier und die Tugend», in dem Lüge und Betrug als lebenserhaltende Maßnahmen die Ehre einer Dame retten, ist...
