Das andere Geschlecht
Vor rund sechzig Jahren saß das linke Traumpaar des 20. Jahrhunderts zeitgleich an zwei Werken: Simone de Beauvoir an der frühen Bibel des Feminismus «Das andere Geschlecht», Jean-Paul Sartre an den «Schmutzigen Händen», dem Stück mit der Frage nach dem Verhältnis von Zweck und Moral, Idee und Tat politischen Handelns, durch die er eine weibliche Figur tollen lässt, die von den Thesen seiner Lebensgefährtin mit Sicherheit nie etwas gehört, gedacht oder empfunden hat.
Jessica, die Frau an der Seite des intellektuellen Möchtegern-Revolutionärs Hugo, ist eine naive Männerfantasie, ein reizendes Püppchen, das ganz aus Versehen zum Katalysator eines Mordes wird; denn Absichten – die haben in Sartres Stück nur Männer. Nicht das kleinste der Probleme, die einer flotten Aktualisierung des Stoffes durchaus im Wege stehen.
In seiner zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierung der «Schmutzigen Hände» fürs Hamburger Thalia Theater löst Andreas Kriegenburg das Problem durch einen Besetzungscoup: Seine Jessica, bei Sartre 21 Jahre alt, spielt Judith Hofmann, 40, was man zwar nicht sieht, aber doch sehr deutlich spürt: Diese Jessica bringt mindestens das doppelte Kaliber in Anschlag, als ihr ...
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Zum Schluss plant einer sein Verschwinden. Er wird keine Spuren hinterlassen, keine Geschichte schreiben, sich unsichtbar machen. Niemand wird ihn vermissen, niemand wird nach ihm fragen, da er längst ausgeschieden ist aus dem System, das die Gesellschaft zusammenhält, aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen, die sie definieren.
Natürlich kennen wir...
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