Wie es euch gefällt

Wie es euch gefällt Der ökonomische Druck auf die Öffentlichen Bühnen ist erheblich gewachsen – und die Theater entwickeln Strategien, damit umzugehen. Zugeben will das nicht jeder

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Man kann in Berlin in diesem Sommer kaum mehr zum Zahnarzt gehen, ohne von einem verzückten Dentisten auf Peter Steins «Wallenstein» angesprochen zu werden. Vielleicht liegt es nur an den berufsständischen Parallelen: Wo der eine zehn Stunden schenkelstarre Zuschaudemut verlangt, lebt der andere von jeher davon, Menschen in einen Sessel zu bitten, in dem sie eigentlich nie sitzen wollten. Und die Erleichterung ist hier wie dort überwältigend, wenn man sich endlich wieder erheben darf. Innerer Jubel wie trampelnder Applaus. Vielleicht ist aber mehr dran.

 
 

Was gibt es Schöneres als ein volles Haus? Eng gepackt über alle drei Ränge, unten auf der schmalen Bühne sechs Schauspieler und ein Pianist. Der Thalia Vista Social Club schreibt das Jahr 2044, die Darsteller sind angemessen gealtert, kommen kaum über die Schwelle, und bei heftigen Bewegungen suchen Perücken wie Jackettkronen nach Resthaftung. Selige Demenz liegt über der Szene, jeder pflegt sein Charakterzipperlein, und der rhythmusfeste Mann am Klavier hält mit einiger Remix-Intelligenz aus dem besseren Evergreen-Bereich die sangesfreudige Geriatrie zusammen. Spätestens wenn Victoria von Trauttmansdorff das vermeintlich ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Geist, Geld und Gagen, Seite 6
von Franz Wille

Vergriffen
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