Wie es euch gefällt
Man kann in Berlin in diesem Sommer kaum mehr zum Zahnarzt gehen, ohne von einem verzückten Dentisten auf Peter Steins «Wallenstein» angesprochen zu werden. Vielleicht liegt es nur an den berufsständischen Parallelen: Wo der eine zehn Stunden schenkelstarre Zuschaudemut verlangt, lebt der andere von jeher davon, Menschen in einen Sessel zu bitten, in dem sie eigentlich nie sitzen wollten. Und die Erleichterung ist hier wie dort überwältigend, wenn man sich endlich wieder erheben darf. Innerer Jubel wie trampelnder Applaus. Vielleicht ist aber mehr dran.
Was gibt es Schöneres als ein volles Haus? Eng gepackt über alle drei Ränge, unten auf der schmalen Bühne sechs Schauspieler und ein Pianist. Der Thalia Vista Social Club schreibt das Jahr 2044, die Darsteller sind angemessen gealtert, kommen kaum über die Schwelle, und bei heftigen Bewegungen suchen Perücken wie Jackettkronen nach Resthaftung. Selige Demenz liegt über der Szene, jeder pflegt sein Charakterzipperlein, und der rhythmusfeste Mann am Klavier hält mit einiger Remix-Intelligenz aus dem besseren Evergreen-Bereich die sangesfreudige Geriatrie zusammen. Spätestens wenn Victoria von Trauttmansdorff das vermeintlich ...
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Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer...
Ein Geheimnis ist ein Geheimnis ist ein Geheimnis, und wäre es kein Geheimnis, dann wäre es kein Geheimnis, und wenn man es lüftet, ist das Geheimnis futsch, und man ist enttäuscht, da das, was man sich vorgestellt hat, viel spektakulärer und fantastischer war als das Tatsächliche, was einem als spannendes Geheimnis grade verraten wurde. Weshalb sollte man auch...
Begeisterung ist ihm nicht gerade fremd. Ende Feburar in Zürich, zwei Wochen vor der «Hamlet»-Premiere, schwärmt Joachim Meyerhoff von der Künstlerwohnung im schicken Schiffbau. «Echt toll, dieser moderne Beton verschafft mir eine Erholung vom barocken Wien.» In Berlin, während des Theatertreffens im Mai, richtet sich die Begeisterung auf die Begeisterung des...
