Ausbruch aus der Kunst
In «She Came to Me», dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, überwindet ein Komponist seine Schaffenskrise, indem er einer Schlepperkapitänin zum One-Night-Stand in ihre Kajüte folgt. Normalerweise wäre das nicht der Rede wert – jedenfalls nicht an dieser Stelle, an der es darum geht, das Festivalgeschehen durch die Theaterbrille zu betrachten und auf entsprechende Akteurinnen und Akteure, Stoffe oder Ästhetiken abzuklopfen.
Der hollywoodstarreiche Berlinale-Beitrag der Regisseurin Rebecca Miller – ihrerseits Tochter des Autors, Dramatikers und Pulitzerpreisgewinners Arthur – weiß plotmäßig allerdings mit einer handfesten Überraschung aufzuwarten: Die Story bekommt tatsächlich einen handlungstragenden Theater-Drift, denn erstaunlicherweise triggert der One-Night-Stand die bombastischste Bühnenperformance, die man seit langem überhaupt sah im Segment der darstellenden Künste.
Infolge von Verwicklungen, deren plottwistreiche Dramaturgie im Einzelnen zu entknoten hier zu weit führen würde, rettet der Komponist nämlich dank One-Night-Stand und Schlepperkapitänin die bedrohte junge Liebe seines Stiefsohnes of Colour zur Tochter der Putzfrau vor deren Zerstörung durch den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 4 2023
Rubrik: Berlinale, Seite 36
von Christine Wahl
Ein Bett ist ein privater Ort. Ein intimer Ort, ein Ort der Entspannung, auch ein Ort der Verletzbarkeit. Wenn zu Beginn des Theaterabends ein Paar im Bett schläft, dann ist das ein Hinweis: Das wird nicht gut ausgehen.
Lina Oanh Nguyen hat für Marie Schleefs Inszenierung von Liz Ziemskas in Deutschland wenig bekannter Fantasy-Erzählung «The Mush -room Queen» ein...
Ist das nicht Frau Klemm? Wilhelmine Klemm, vermutlich die fernsehprominenteste Münsteranerin zurzeit – das ist jene etwas angeschrägte Staatsanwältin, die im WDR-«Tatort» aus der Universitäts- und Domstadt seit mittlerweile zwei Jahrzehnten Kripo-Fahnder Thiel und Gerichtsmediziner Börne mehr oder weniger wohlwollend begleitet und nebenbei gelegentlich auch die...
Jürgen Flimm war der moderne Bruder von Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon, ein zumeist liebenswürdiger und liebenswerter Geysir, der mitunter auch zum gefährlich brodelnden, Feuer und Mordio speienden Vulkan werden konnte. Er tanzte auf vielen Hochzeiten, aber weiß Gott nicht auf allen. Dieser neuzeitliche Striese war auch ein kluger Stratege, ein gewiefter...
