Sex, Drugs and Rock’n’Roll
Wenn ältere Männer, die im Leben ziemlich weit gekommen sind, sich plötzlich die Frage stellen, ob das jetzt eigentlich schon alles war, dann suchen sie sich manchmal eine junge Freundin. Oder sie machen den Motorradführerschein. Oder sie holen noch einmal ihre alte Gitarre vom Speicher und üben die Akkorde von «Smoke on the Water».
Das mit der jungen Freundin unterläuft auch Goethes Faust in Daniel Karaseks Kieler Inszenierung, die Sache mit dem Motorrad lassen wir unter den Tisch fallen, aber die Gitarre wird auf jeden Fall ausgepackt: Karasek, langjähriger Generalintendant in der Landeshauptstadt, zeigt «Faust» als Rockoper (beziehungsweise als Rock-Singspiel), zur Musik von Leo Schmidthals und Christian Neander von der Hamburger Band Selig, die in den Neunzigern als mittelcooles Revival des Siebzigerjahre-Hardrocks zu einiger Berühmtheit kam. Open Air auf einem ehemaligen Marinegelände zwischen Flughafen und Förde, mit Bühnentricks, Pyrotechnik, Gitarrensoli und vollkommen unzeitgemäß sexy Hexen.
Inhaltlich ist das gar nicht so abwegig wie gedacht. «Faust» ist auch bei Goethe nicht ausschließlich das tiefe deutsche Geistes -drama, das ist ein durchaus saftiges Volksstück, eine ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Falk Schreiber
Es beginnt im Regen. Auf drei sechs Meter hohen Stangen präsentieren die drei Artist:innen von Gratte Ciel im Ilmpark «RoZéO». Halbnackt und in langen Röcken drehen sich die drei Neue-Zirkus-Performer wie Derwische oder schaukeln beängstigend über den Köpfen (und Regenschirmen) des zahlreich versammelten Publikums. Heute ist Kunstfest, da kann so ein bisschen Regen...
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Manche Wahrheiten sind zwar längst nicht mehr neu, aber eben schlicht nicht von der Hand zu weisen und treffen noch immer ziemlich genau den neuralgischen Punkt. Bertolt Brechts unverblümte Feststellung «Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral», gehört dazu, und so frontal, wie das Ensemble des Münchner Residenztheaters die «Ballade über die Frage: Wovon lebt...
