Auf der Castingallee nachts
Der sehr junge Mann in der zeltartigen Daunenjacke hat sofort einen kleinen Schwips.
Ob die Aussicht auf Ruhm und Glamour Schuld daran ist? Das bohemistische Flair der immer noch angesagten Kastanienallee im Hauptstadt-Bezirk Prenzlauer Berg, die Spötter bereits vor Jahren in Castingallee umgetauft haben? Oder liegt es doch nur am billigen Sekt, mit dem ihm die Frau im falschen Pelz nachts vor der Volksbühnen-Nebenspielstätte Prater zuprostet?
Die Frau heißt Berit und hat ihm gerade vor laufender Videokamera eine unbestimmte Summe Geld versprochen, wenn er jetzt gleich in einem Theaterstück die Rolle des Bigman übernimmt. Bigman, das klingt okay! Der sehr junge Mann, der nach lässigem Bekunden «für Geld schon so ziemlich alles gemacht» hat, hält die spontane Schauspielerei offenbar für eine leichtere Übung.
Was er hingegen noch nicht weiß, ihn aber vermutlich auch kaum interessiert, ist die Tatsache, dass der Autor und Regisseur René Pollesch das Stück geschrieben hat, in dem er gleich auftreten soll – und dass das Publikum jetzt schon per Video sieht, wie er dafür vom deutsch-britischen Performancekollektiv Gob Squad angeheuert wird. René Pollesch, leitender Platzhirsch der ...
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