Der radiophone Nachdenker
Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von Krieg und Entertainment, von Datenstrukturen und Kriegsschauplätzen. Dabei verfährt Kunze konsequent nach der Devise Heiner Müllers, nach der man das Publikum überfordern muss.
In seiner Trilogie «The Big Beat» (BR 1995), «Golfkrieg Girls & Boys» (BR 1997) und «wie wir den Krieg gewannen» (WDR 2003) untersucht Kunze die Transformationen des Krieges: Vom klassischen zwischenstaatlichen Krieg über den Bürger- und Partisanenkrieg bis zu den so genannten «Neuen Kriegen», die in zerfallenden Staaten keinen begrenzten Raum mehr einnehmen und kein definiertes Ende mehr haben. Krieg und Nichtkrieg werden ununterscheidbar und gehen in einen Dauerzustand von Bedrohung über.
Mit eben dieser diffusen Bedrohung befasst sich das gerade urgesendete Stück «die Idee der Strafe» (HR 2005), das von einer Detonation handelt, die so ...
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Die Cinemascope-Kiste steht wie ein zu groß geratenes, dummerweise aber leeres Weihnachtsgeschenk auf der Bühne. Das passt insofern, als die Spielzeit sich bereits der Halbzeit und das Theater jener Form der Entspannung nähert, die sich immer dann einstellt, wenn der Betrieb zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt auf Hochtouren läuft. Betrachtet man es so, könnte...
Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...
Wer nach Castorfs und Schorsch Kameruns «Schneeköniginnen» zu den Originalmärchen zurückblättern will, kann sich dieses Vergnügen auch mit einem garantiert jugendfreien Hörbuch bereiten. Und dabei feststellen, dass sich selbst in dieser Form Andersens surrealer Phantasie und merkwürdigen Doppelbödigkeiten auf den Grund gehen lässt.
«Die Schneekönigin» fehlt...
