Die andere Geschichte
Ob es eine Ehrenbezeugung vor Luigi Pirandellos Studenten- und Promotionsjahren in Bonn sein sollte, die David Mouchtar-Samorai veranlasste, das bei uns kaum bekannte Stück des späteren italienischen Nobelpreisträgers von 1919 aufzuführen? «Der Mensch, das Tier und die Tugend», in dem Lüge und Betrug als lebenserhaltende Maßnahmen die Ehre einer Dame retten, ist eine recht possenhafte Trickserei, an der hier eine speziell präparierte Cremetorte gewichtigen Anteil hat.
Der Seitensprung der Kapitänsgattin Perella (Kornelia Lüdorff) mit dem kreuzbraven Professor Unrat Paolino, dem Christian Schneller eine Art von penibel-wilhelminischer Strenge angedeihen lässt, droht sichtbar zu werden. Also muss der nur für eine Nacht heimkehrende, ruppige Ehemann, der längst andernorts seine Anker geworfen hat und heimlich eine zweite Seemannsbraut samt Nachwuchs in Neapel unterhält, animiert werden, seiner Abstinenz zu entsagen und den ihm lästigen ehelichen Pflichten wenigstens noch einmal nachzukommen, damit alles seine Ordnung behält. Wobei weniger die knallbunten Reize der aufgetakelten Ehefrau als ein Apotheker-Mittelchen helfen sollen, das sich im Dessert-Dolce verbirgt.
Die skandalöse ...
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Tamas Ascher aus Budapest ist einer der treuen Tschechow-Regisseure des zeitgenössischen Theaters, manche sagen: der treueste. Seine «Drei Schwestern» am Katona Jozsef Theater (1986) sind legendär, reisten um die Welt und blieben zehn Jahre im Spielplan. 1990 inszenierte er dort «Platonov» und 2004 endlich auch «Ivanov».
Während er bei den «Drei Schwestern» ganz...
Der sehr junge Mann in der zeltartigen Daunenjacke hat sofort einen kleinen Schwips. Ob die Aussicht auf Ruhm und Glamour Schuld daran ist? Das bohemistische Flair der immer noch angesagten Kastanienallee im Hauptstadt-Bezirk Prenzlauer Berg, die Spötter bereits vor Jahren in Castingallee umgetauft haben? Oder liegt es doch nur am billigen Sekt, mit dem ihm die...
Ein Drei-Minuten-Auftritt nur: Bernhard Minetti 1989 im Berliner Schiller-Theater als abgründig versoffener Mörder und langjähriger Todeskandidat Bernardin in Niels-Peter Rudolphs Inszenierung von Shakespeares «Maß für Maß»: nacktfüßig und -armig, verbockten, verknautschten, listigen Gesichts mit roter Säufernase, so begegnet er der Zumutung, sich nun endlich...
