Arbeit am Hass

Berliner Premieren: Michael Thalheimer inszeniert Fassbinders «Katzelmacher», Christian Weise Shakespeares «Hamlet» und Lars Eidinger sich selbst als Peer Gynt

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Wer oder was ist schuld am Faschismus? Spontan fallen einem eine ganze Reihe möglicher Ursachen ein. Auf eine wäre man jedoch nicht so leicht gekommen: die verheerende Wirkung des Schlagers, die der Berliner-Ensemble-Dramaturg Bernd Stegemann mit Rückgriff auf Theodor W. Adorno ausmacht.

In seinem Programmheftaufsatz zu Michael Thal­heimers «Katzelmacher»-Adaption analysiert er unbeleckt von jeder Poptheorie die Wirkung der Schnulze: «Das Schlüsselloch ins Paradies, als dass die Minuten des Schwelgens im gemieteten Gefühl erscheinen, entpuppt sich als Schloss der Kerkerzelle, in der das eigene Leben umso entfremdeter feststeckt, je falscher es sich herausträumt. Schlager hören und Ausländer verprügeln passen in der Katzelmacher-Welt perfekt zusammen. Aus den kitschigen Gefühlslügen entsteht in letzter Konsequenz der Faschismus.» 

«Katzelmacher», so wurden vor 50, 60 Jahren in Bayern die italienischen Gastarbeiter genannt. Der 23-jährige Rainer Werner Fassbinder schrieb 1968 das gleichnamige Stück in Anlehnung an Marieluise Fleißers kritisches Volkstheater und verfilmte es ein Jahr später in spartanischen Einstellungen mit Darsteller*­innen seines antitheaters. Neun verklemmte, ...

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Theater heute April 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

Vergriffen
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