Steuer, aber sexy
Wenn es nach Thomas Piketty ginge, ließe die Welt sich durchaus retten vor Umweltzerstörung, Klimakatastrophe, Massenverarmung. Eine simple progressive Eigentumssteuer könnte sowohl ein Grundeinkommen für alle Bürgerinnen, eine Kapitalstarthilfe für jeden Berufsanfänger als auch die Umstellung auf ein ökologisches Wirtschaften finanzieren, behauptet der französische Wirtschaftswissenschaftler im lösungsorientierten Schlusskapitel seiner gerade auf Deutsch erschienenen historischen Analyse «Kapital und Ideologie».
Von einem solchen «partizipativen Sozialismus», vulgo Steuergerechtigkeit, können die fünf deutschen Beamt*innen in Felicia Zellers «Der Fiskus» nur träumen (und auch Piketty träumt ja nur, leider). Immerhin haben Nele Neuer, Bea Mtinnen, Elfi Nanzen, Reiner Lös und Fatma Tabak den Vorteil, sich gut genug mit dem geltenden Steuerrecht auszukennen, um a) zu bemerken, wenn ausgerechnet «Steuerberater, Investmentbanker, Wirtschaftsrechtsanwälte» oder auch nur der eigene Zahnarzt den Fiskus prellen, aber auch um b) selbst das eine oder andere legale Schlupfloch zu nutzen.
Ein Stück Wirtschaftsdichtung
Felicia Zeller, die laut ihrer Homepage nur noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Der Sommer war verregnet, zu Weihnachten blühte der Flieder, zu Ostern viel Schnee.» Klimawandel. Feriengäste haben keine Freude im Hotel «Zur schönen Aussicht». Der Hotelname allerdings ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen: Als Ödön von Horváth seine Komödie «Zur schönen Aussicht» 1926 schrieb, ging die Aussicht auf den aufziehenden Faschismus. In Friederike...
Vor ziemlich genau 100 Jahren kam es mit Franz Kafkas Erzählungen und Romanfragmenten zum ersten Mal in die Welt, das Bild des Menschen als einem von diffusen Mächten fremdbestimmten Wesen. Kafkas K.s, im «Prozess» wie im «Schloss», bewegen sich in einer Welt der Unübersehbarkeiten, die ihnen fremd ist und in der sie Fremde bleiben, gleichwohl unter ständiger...
Es gibt Stücke, die erzählen vom Erwachsenwerden aus der Perspektive von Kindern. Auf einer Videoprojektion ist ein junges Mädchen im Indianerkostüm zu sehen, eine Aufnahme des israelischen Fernsehens. Es verziert den deutschen Ausdruckstanz des letzten Jahrhunderts mit rituellen Bewegungen. Wir sehen an der Berliner Volksbühne: deutsche Tanzgeschichte als...
